Mit zehn Fingern am Puls der Zeit

Feuilleton | Porträt: Klaus Nüchtern | aus FALTER 15/13 vom 10.04.2013

Die US-Gitarristin Mary Halvorson zählt zu den aufregendsten Jazzmusikern der Gegenwart

Things have been crazy!“, begründet Mary Halvorson den Umstand, dass ihr Antwortmail noch auf sich warten lässt. Dass die Welt gerade verrückt spielt, muss aber an sich noch nichts Schlechtes sein. Die aus Boston stammende Gitarristin hat nur einfach ein bisschen mehr zu tun, als ihr womöglich lieb ist. Sie muss ins Studio und darüber hinaus auch noch 30 Stipendienansuchen begutachten. Ein Interview würde sich eventuell in einer Woche ausgehen.

Blöderweise ist das zu spät, um auf den Wien-Gig hinzuweisen, den die derzeit sehr gefragte Mittdreißigerin im Rahmen einer Europatournee absolviert: An 13 aufeinanderfolgenden Tagen geben Halvorson und die anderen fünf Mitglieder von Ches Smith and These Arches ebenso viele Konzerte in acht Ländern.

Es gibt derzeit nicht allzu viel, was im Grenzbereich von zeitgenössischem Jazz, improvisierter Musik und Rock-Avantgarde passiert, wo Mary Halvorson

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