"Die Wiener Moderne hatte etwas Weiches“

Feuilleton | Interview: Maik Novotny | aus FALTER 15/13 vom 10.04.2013

Harvard-Kunsthistoriker Joseph Leo Koerner über Wien als Stadt der Träume und des Unheimlichen, über Schweinsköpfe und seine österreichischen Wurzeln

Sein präzises Deutsch ist maßgeschneidert wie der Anzug. Der US-Kunsthistoriker Joseph Leo Koerner sitzt in der Wiener Secession, wo er einen Vortrag über Wiener Interieurs hielt. Koerners Vater, der Maler Henry Koerner, war 1938 aus Wien geflüchtet, die Großeltern kamen im Holocaust ums Leben. Nun erforscht Koerner jun. die Innenräume seiner Vergangenheit.

Falter: Herr Koerner, Sie haben eine TV-Sendung über "Vienna: City of Dreams“, die Zeit zwischen 1890 und 1938, produziert. Welche Träume haben das Wien dieser Zeit geprägt?

Joseph Leo Koerner: Träume sind ein uralter Wiener Topos. Sie spielen eine wichtige Rolle, wenn man verstehen will, wie die Stadt damals erlebt wurde. Ich denke dabei an die sozialen Utopien von Herzl und Lueger, an die Traumsprachen von Wittgenstein und natürlich an Freuds Traumanalysen. Und dann gab


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