Nüchtern betrachtet 

Tod eines Kritikers beschneidet Larmoyanz

Feuilleton | aus FALTER 15/13 vom 10.04.2013

Feuilletonchef Klaus Nüchtern berichtet aus seinem Leben. Die Kolumnen als Buch: www.falter.at

Roger Ebert ist tot. Ich finde, das ist kein ganz schlechter Satz, um eine Kolumne zu beginnen. So pietätlos es sein mag, die Nachricht vom Hinscheiden eines Menschen für solche Zwecke zu missbrauchen, so fällt es mir doch insofern leicht, als ich Leben und Werk des amerikanischen "Kritikerpapstes“ bislang nicht wirklich zur Kenntnis genommen hatte. "When Roger Ebert pens his final movie review some day in the near future, the world will be a sadder place“, schreibt ein gewisser Michael O’Connor in seiner Amazon-Kritik. Sicher hat er recht. Die Sammelbände mit Eberts Kritiken haben so ermunternde Titel wie "I Hated, Hated, Hated this Movie“ oder "A Horrible Experience of Unbearable Length“.

Offenbar war Ebert keiner, der aus seinem Herzen eine Mördergrube zu machen pflegte. Sein Tod, so traurig er sein mag, kommt mir insofern zupass, als er mich aus der Verlegenheit befreit, mich


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