Ins Mark  

Die Hetz abblasen!

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 15/13 vom 10.04.2013

All die Leute, die nicht arisch sind und nichts als Unruhe stiften, gebt mir ein MG, und ich werde sie vernichten. Denn nur ich, ich bin in Ordnung.“ Mit dem Lied "Schlauer als der Rest“ will sich Frei.Wild ironisch von der Naziszene distanzieren. Das tut sie allerdings wenig eindeutig: "Adolf Hitler, Ehrenmann, war ein Teil vom Arschloch-Clan“, das soll überzeugen? Gesungen von einem, der zuvor in einer Skinhead-Band gespielt hat?

Frei.Wild wird demnächst in der Grazer Stadthalle spielen. Die Stadt Wels, wo die Jungs ebenfalls in einem städtischen Saal auftreten wollten, hat die Hetz einfach abgeblasen, man wollte "die Gewaltverherrlichung“ der Band "nicht in einem städtischen Gebäude vorführen lassen“. Angesprochen sind damit Zeilen wie: "Jetzt liegst du am Boden, liegst in deinem Blut. (…) Ich fang an zu lachen, seh dein entstelltes Gesicht.“ Der Grazer Gemeinderat hat sich dagegen nicht einmal gemäß einem Antrag der Grünen vom Konzert distanziert: Kann man ja nicht gleich verbieten!

Dabei geht es nicht um ein generelles Verbot. Wenn aber eine Gruppe, die sagt, "Gutmenschen“ wollten nur "Geschichte, die noch Kohle bringt, ja nicht ruhen lassen“, auf der Homepage einer der größten öffentlichen Hallen des Landes glorifiziert wird, tut das weh. Hier darf und muss die Politik höhere Maßstäbe anlegen. Oder will die Stadt kommunizieren, dass sie all das in Ordnung findet?

Übrigens bringt Frei.Wild als Vorband gern "Serum 114“ mit. Die hat einen Mordaufruf gegen "Politiker und Manager“ im Programm: "Hängt sie höher, höher, höher. Sie hängen noch nicht hoch genug. Und lass sie hängen, dann sieht jeder, wir schauen nicht mehr länger zu.“

Gerlinde Pölsler ist Redakteurin im Steiermark-Falter


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige