Menschen

Wmpffft!

Falters Zoo | Klaus Nüchtern, Christopher Wurmdobler | aus FALTER 15/13 vom 10.04.2013

Hat es irgendein Scientology-Treffen gegeben? Jedenfalls war der US-Schauspieler Tom Cruise vergangene Woche in Wien, um im Gartenbaukino seinen neuen Film "Oblivion“ zu promoten und davor sich auf dem roten Teppich anschauen zu lassen von Fans und ausgewählter heimischer Prominenz von der schauspielenden Altkanzlertochter Nina Blum bis zum fallschirmspringenden Stratosphärenwunder Felix Baumgartner. Damit sich Herr Cruise im Freien nicht seinen Hintern abfriert (vergangene Woche war noch Winter, Sie erinnern sich?), hatte man extra eine Person abgestellt, die dem Star mit einem Heizstrahler auf Schritt und Tritt folgte. Das hätten wir in den letzten Monaten gebraucht, dachten sich wohl die Unvernünftigen. Und die Vernünftigen meinten: Soll er sich doch wärmer anziehen, wenn er da stundenlang im Schneegestöber herumspaziert. Schauspielerin Olga Kurylenko und Joseph Kosinski, Regisseur des Filmes, waren übrigens auch dabei. Nur der Vollständigkeit halber.

Da war die Bekanntgabe der Namen derer, die heuer die Gala zum österreichischen Fernsehpreis "Romy to go“ präsentieren, schon weniger aufregend. Okay, ORF-Nachrichtenmann Tarek Leitner war eine kleine Überraschung, mit der die Romy-Veranstalter bei einer Pressekonferenz im Kärntner-Straßen-Casino herausrückten. Aber Mirjam Weichselbraun? Eben. Was dann doch erstaunte, war die Aussage der jungen Frau, die bei uns im Fernsehen so ziemlich alles wegmoderiert, zu ihrem Co-Moderator. Sie sei schon sehr aufgeregt, weil Kollege Leitner sei doch so gescheit. Oh nein. Was ist das denn für ein uncooles Selbst- und Frauenbild? Am 20. April ist dann die To-go-Gala, nominiert sind die üblichen Verdächtigen, und welche "Stars“ kommen, wollte/konnte man noch nicht verraten.

Das Gartenbaukino an einem Tag zweimal voll zu kriegen, schafft abseits der Viennale wohl kaum je ein Film (okay: Tom Cruise …). Der englische Stand-up-Comedian Eddie Izzard war aber auch persönlich gekommen, um sein Programm "Force majeure“ in Wien vorzustellen. Sein Vorhaben, Teile davon auf Deutsch vorzutragen, war freilich nur circa zwei Sätze weit gediehen (und die gefühlte Hälfte des Publikums bestand ohnedies aus natives). Da erwies sich der bayerische Dampfplauderer Michael Mittermeier, der als "Vorgruppe“ ein kurzes, rein englisches Programm darbot, als fremdsprachenfirmer (die damit einhergehende Sprechentschleunigung war wohltuend). Hitler, der nicht fehlen durfte, hatte dann auch bei Izzard seinen Auftritt - mit dem Geräusch, das sein Kopf gemacht hätte, den Gott weggeschnippt hätte, wenn es ihn denn gäbe: "Wmpffft!“

Was noch war: Bigband-Legende James Last bekam von Rathausmann Andreas Mailath-Pokorny das "Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien“, und langsam wüssten wir schon gerne, was genau man tun muss, um sich diese Verdienste zu verdienen. Nicht dass wir Herrn Last, den Tournee-Gründe in unsere liebe Stadt führten, die Auszeichnung nicht gönnen würden. Soll er’s haben. Ebenso wie ZDF-Show-Moderatoren oder wer auch immer alles so ein Ehrenzeichen bekommen hat. Aber hier die Frage: Wie verdient man es sich? Das entsprechende Gesetz sagt: Personen, die sich hervorragende Verdienste um das Land Wien durch öffentliches oder privates Wirken erworben haben, können durch die Verleihung des Ehrenzeichens für Verdienste um das Land Wien geehrt werden. Aha.

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige