"Mich hält das jung"

Hass-und Kultfigur James Last gastiert mit "The Last Tour" in der Wiener Stadthalle

Interview: Sebastian Fasthuber | aus FALTER 15/13 vom 10.04.2013

Orchesterspießer oder Partytier? Der Hanseate James Last, der eigentlich Hans Last heißt, hat die Unterhaltungslandschaft im deutschsprachigen Raum nachhaltig geprägt. Heutige Fortysomethings müssen ihn hassen, weil ihre Eltern seine Platten spielten, auf denen er Hits und Klassiker in flockig-seichtem Orchestersound präsentierte. Thirtysomethings finden ihn vielleicht cool, weil er durch die Easy-Listening-Welle der Neunziger wiederentdeckt wurde.

James Last selbst schien immer sympathisch egal zu sein, wie der Zeitgeist über ihn urteilte. Mit fast 84 hört der "Gentleman of Music" schon ein bisschen schlecht, er pariert aber jede Frage locker mit trocken-lakonischem Witz.

Falter: Sie treten an Ihrem 84. Geburtstag in Wien auf, Ihre Tournee heißt "The Last Tour". Rücktritt oder Marketingstrategie?

James Last: Ich war schon so oft auf "The Last Tour", nur die Betonung war immer etwas anders. Genau gesagt heißt die aktuelle Tour "The Last Tour 2013". 2014 kann es schon wieder anders aussehen. Ans Aufhören denke ich nicht.

Was reizt Sie immer noch daran, herumzureisen und aufzutreten?

Last: Ein Vollblutmusiker kann sich nicht auf die faule Haut legen, er muss weitermachen. Mir bereitet es immer noch großen Spaß. Am meisten gefällt mir der Kontakt zu den Fans. Bei mir dürfen die Leute schon beim Soundcheck in den Saal. Das ist eine einzige Party.

Und so lange diese Party läuft, bleiben Sie uns erhalten?

Last: Ja, klar. Mich hält das jung. Es kommen von der Jugend auch immer wieder neue Titel, die mich reizen, Arrangements davon zu machen. Es hört nicht auf. Mein Motto ist: Weitermachen. Fertig.

Haben Sie eine Erklärung dafür, warum Sie immer noch die Hallen füllen und auch jüngere Generationen ansprechen?

Last: Weil ich mit der Zeit gehe. Ich suche mir eben immer neue Titel raus, die ich auf den Konzerten in meinem Sound präsentiere. Da denken sich die Jungen: Hoppla, der spielt ja auch unsere Musik! Und die Alten sagen zu mir: Hansi, bei deiner Musik werden wir wieder jünger.

Wie entscheiden Sie, welcher aktuelle Hit reif für ein James-Last-Arrangement ist?

Last: Ganz einfach: Mir muss das Stück gefallen. Wichtig ist auch, dass es kein Phänomen ist, das man nur in einem Land oder Sprachraum kennt. Es muss ein internationaler Titel sein. Überall auf der Welt spielen wir dasselbe Programm, überall läuft es gut.

Ihre "Non Stop Dancing"-Platten waren Vorläufer der DJ-Mixe: Sie liefen ohne Unterbrechung, und es waren Partygeräusche reingemischt. Wie kamen Sie darauf?

Last: Es gab damals noch keine Diskotheken in dem Sinne. Also musste man sich die Party selbst machen. Wenn anfangs noch nicht so viel los war, konnte man die "Non Stop Dancing"-Platten auflegen und damit die Illusion erzeugen, die Party sei schon in vollem Gang.

Ist das Ihr größtes Verdienst: der Nachkriegsgesellschaft die Illusion von Party verkauft zu haben?

Last: Ach, die wollten das ja so. Vielleicht waren die Zeiten etwas steif, aber die Leute wollten sich lockermachen. Ich war auch der Erste, der in Deutschland Beatles-Nummern gespielt hat, schon im selben Jahr, als das mit den Beatles richtig losgegangen ist.

In Ihrer erfolgreichsten Zeit haben Sie bis zu zehn Platten pro Jahr veröffentlicht. Waren Sie eine Musikfabrik?

Last: Ich würde es nicht mit einer Fabrik vergleichen. Es lief einfach gut. Ich habe zum Beispiel eine Platte namens "Beach Party" gemacht. Die hatte Erfolg und so wurde eine Serie daraus. Und so ging das mit vielen Platten. Auf diese Art habe ich für jeden Geschmack etwas gehabt. Aber es stimmt: Ich habe jahrelang wenig geschlafen, bin um zwei ins Bett gegangen und um sechs wieder aufgestanden.

Es muss doch etwas geben, das Ihnen musikalisch näher liegt als andere Genres. Sie haben zum Beispiel in ein und demselben Jahr ein Polka-und ein Motown-Album auf den Markt geworfen. Polka oder Motown-Soul?

Last: Ach, die Platten waren beide gut!

Wie kommt es, dass Sie Ihrer Plattenfirma, was für die Branche durchaus unüblich ist, über mehr als 50 Jahre die Treue gehalten haben?

Last: Ich habe immer wieder Leute von anderen Plattenfirmen kennengelernt. Die waren genauso bescheuert.

Wiener Stadthalle, Halle D, Mi 19.30


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