Saubere Silbentrennung: Theater Quadrat zeigt Jon Fosse. Traurig schön

Steiermark | Kritik: Hermann Götz | aus FALTER 15/13 vom 10.04.2013

Früher mal, als das Off-Theater sich eher irrtümlich auf Jerzy Grotowski berief und in Kellern oder Hinterhöfen spielte, hat eine Bühne wohl öfter so ausgesehen: kahler schwarzer Raum, den sich zwei Schauspieler mit einer abgewetzten schwarzen Kiste teilen. Und mit Unmengen von Text. Heute geht's auch anders: Da erobern das Theater im Bahnhof oder die Rabtaldirndln - wie letzte Woche mit "Schwarze Wolle" - postdramatisch das Schauspielhaus und verhelfen dort dem Alltagsgrauen voll Witz zu bösem Erwachen. Es gibt sie aber noch, die Abende, an denen sich Off-Theater puristisch und "poor" präsentiert wie damals. So gesehen im Theater am Lend, wo Theater Quadrat Jon Fosses "Winter" gibt - in schnörkellos geradliniger Inszenierung von und mit Ninja Reichert und Werner Halbedl. Auch die schwarze Kiste ist da. Sie wird wahlweise als Hotelbett oder Parkbank gebraucht, Musik füllt die Blacks zwischen den Szenen, sonst ist da nichts. Nichts als Dialog. Diese Schlichtheit entspricht übrigens ganz dem Autor. Fosse ist berühmt für seine karge Sprache, die so knapp ist wie die Stille zwischen seinen Sätzen düster. Die Geradlinigkeit, mit der Reichert und Halbedl die Geschichte einer unmöglichen Liebe im Grenzland von Wahnsinn und Selbstaufgabe zeichnen, ist dennoch mehr als mutig. Vor allem Reichert findet in der Gestaltung dieser einsilbigen Poesie zu großer Genauigkeit: In jedem Ton, jeder Bewegung, jedem Blick. Respekt! Zumal das Duo ohne Regisseur gearbeitet hat. Und doch springt der Funke nicht immer über. Nur: So ist halt Jon Fosse. Voll von trauriger Schönheit. Aber ziemlich verschlossen.

Theater am Lend, Graz, 10. und 11.4., 20.00


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