Film Neu im Kino

Die Kunst des Porträts: Gilles Bourdos' "Renoir"

Lexikon | Gerhard Midding | aus FALTER 15/13 vom 10.04.2013

Zu den Vorzügen von Gilles Bourdos' "Renoir" gehört es, ein Familienfilm zu sein. Wer erwartet, Michel Bouquet in einer großen Altersrolle als den Maler Pierre-Auguste zu sehen, kommt auf seine Kosten. Wer sich Aufschluss erhofft über die Anfänge seines Sohnes Jean, des berühmten Regisseurs, wird ebenso wenig enttäuscht. Auch dessen älterer Bruder Pierre, der gefeierte Schauspieler, wird ins Recht gesetzt. Schließlich taucht noch der kleine Coco auf, der dem Vater pausbäckig Modell stand, sich nach dem Tod der Mutter aber ungeliebt fühlte.

Sie alle treten im Sommer 1915 auf die Bühne des Landsitzes Les Collettes bei Nizza. Während der Vater den Krieg ignoriert, leisten die älteren Söhne Dienst an der Front. Das Anwesen wird bevölkert von einem Hausstaat aus ehemaligen Geliebten und Modellen. Es ist ein patriarchales Eden, über das Auguste gebietet. Bouquet spielt ihn als Tyrannen, der nachsichtig umsorgt wird; die Strenge des greisen Hedonisten muss er nicht durch Verschmitztheit mildern. Sein Werk ist schwerer Arthritis abgetrotzt: Er will hinzulernen, Fortschritte machen!

Mit der jungen Andrée (Christa Theret) bricht eine neue, aufmüpfige Energie in diese Enklave ein. Sie steht ihm nicht geduldig Modell, sondern bewegt sich selbstbewusst bei den Sitzungen. Auguste ist das recht: Ihre Lebenskraft ist auf seinen "Badenden" zu spüren. Dann taucht Jean (Vincent Rottiers) auf, der verletzt wurde. Dass sie zu einem Liebespaar werden, erzählt der Film als diskrete Unausweichlichkeit. Sacht legt er die Spur einer Rivalität aus. Das Kino, das Jean reizt, gilt dem Vater nichts. Andrée jedoch nimmt ihm das Versprechen ab, nach dem Krieg gemeinsam Filme zu drehen. Das Leben soll sich als so klug erweisen wie das Werk beider Renoirs. Es kommt ohne Melodramatik aus.

Ab Fr in den Kinos


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