Auf Originalinstrumenten: Theater T'eig zeigt Nigel Williams' "Klassen Feind"

Steiermark | Kritik: Hermann Götz | aus FALTER 16/13 vom 17.04.2013

Als Regisseur hat sich Thomas Sobotka einst mit einer ungewöhnlichen Schultheaterarbeit in die erste Liga gespielt. Das war 2009, wo er für "Brick in the Wall" den Theaterland-Steiermark-Preis abräumte. "Schüler spielen Schule" lautete das simple Motto. Diesmal lief es komplizierter: Für die T'eig-Inszenierung von Nigel Williams' 1978 uraufgeführtem Schülerdrama "Klassen Feind", nun mit dem Appendix "old school" versehen, wurden Schauspieler gesucht, die damals jugendlich waren. Damals!

Und so steigen sechs Herren in den Ring, die heute erstens in ihren besten 50ern und zweitens pädagogisch wertvoll tätig oder geschult sind: Waldorf-Lehrer Norbert Hermann, (Kinder-)Musical-Macher Robert Persché, Volksschullehrer Robert Rauch, die verdienten Theaterpädagogen Christian Ruck und Manfred Weissensteiner sowie Rudi Widerhofer. Sie geben verhaltensoriginelle Jugendliche mit verbaler Fäkalfixierung. Und das macht so richtig Freude. Durch Sobotkas simplen Kunstgriff wird Williams' Skandalerfolg nach 35 Jahren wieder spannend. Wirklich spannend.

Gemeinsam mit jungen Rap-Künstlern hat der Regisseur den Originaltext von damals in Kraftausdrücke von heute übersetzt. Aber der Text ist hier beileibe nicht alles. In typischer T'eig-Manier mischen sich die Rollen und das, was ihre Darsteller zu sagen haben: zur Schule, zum ersten Sex, zum Leben. Und überhaupt. Gesanglich unterstützt von der jungen Musikerin Birgit Prutsch ist da theatralisch eine verkehrte Welt gewachsen, die auf wunderschöne Weise zeigt, wie wahr Theater sein kann. Und wie witzig.

Volkshaus Graz, Fr, Sa, Mi, Do 20.00


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