Nachrichten aus dem Inneren

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 16/13 vom 17.04.2013

Die Redaktion erklärt sich selbst

Im Unterschied zu Tankwarten, Eisverkäufern oder Hautärztinnen haben Journalisten ein Problem damit, die Bedeutung und Tragweite ihres Tuns realistisch einzuschätzen. Dabei kann man nicht einmal behaupten, dass sie sich allesamt systematisch überschätzen würden. Denn in Wirklichkeit wissen wir nicht, wer das alles liest und ob das irgendwas bewirkt. Wir machen hier bloß Qualitätsjournalismus und bemühen uns, Öffentlichkeit herzustellen. Das sagt jedenfalls Armin Thurnher, und der hat per positionem immer Recht.

Anstrengend ist auch die kokette Geniertheit, mit der manche Journalisten bestreiten, Einfluss ausüben zu wollen. "Ich biete doch nur meine Meinung an.“ Was für ein Unfug! Wir vom Falter wollen das von uns Kritisierte behoben und vermieden, das von uns Gelobte gelesen, gehört, gesehen und gekauft wissen.

Etwas anders liegt die Sache bei den "Nachrichten aus dem Inneren“. Das ist eine Rubrik, die keine Handlungsanweisungen impliziert, sondern bloß Schmunzelstimmung verbreiten und soziale Kachelofenwärme abstrahlen will. Wenn hier auf die in der Tat perverse Unterausstattung der Redaktionskombüse hingewiesen wird, erwarten wir never ever, dass sich das da draußen eine anonyme Leserin zu Herzen nimmt, alle genannten Gegenstände bis hin zur Eierharfe einkauft und das Paket einfach in der Redaktion vorbeibringt. Dann sind wir perplex, dankbar, zu Tränen gerührt und bitten die Wohltäterin, sich zu melden, damit wir uns wenigstens mit einem Frei-Abo erkenntlich zeigen können.


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