Kommentar  Protestkultur

Islamismusprotest der Femen: Ihr macht es euch zu leicht!

Falter & Meinung | Gerlinde Pölsler | aus FALTER 16/13 vom 17.04.2013

Muslim Women Against Femen“ - so nennt sich eine schnell wachsende Gruppe auf Facebook. Die Oben-ohne-Aktivistinnen schreien neuerdings vor Moscheen gegen die Unterdrückung von Musliminnen an. Doch diese wehren sich.

Die Femen haben etwa mit Aktionen rund um die Fußball-EM, Botschaft "Die Ukraine ist kein Bordell“, Hunderttausende von Zusehern erreicht: Seht her, wir sind nackt und dennoch nicht zu haben - das war stimmig. So, wie sie die Proteste für muslimische Frauen anlegen, verfehlen sie aber das Ziel - sie bekämpfen den Islam an sich. In Paris verbrannten sie eine Flagge mit dem islamischen Glaubensbekenntnis.

Damit ignorieren sie islamische Feministinnen, die sowohl Musliminnen als auch gleichberechtigt sein wollen. Auch schüren die Femen gefährliche Stereotype. Femen-Sprecherin Inna Shevchenko schrieb von "bärtigen Männern mit Messern“, die hinter den Frauen säßen. Ihr Argument, auch in der Ukraine gebe es genügend "bärtige Bastarde“, macht es nicht besser.

Schließlich passt die Protestform der Femen eben nicht für alle Adressat(inn)en. Ja, es gibt auch Aktivistinnen aus dem islamischen Kulturkreis, die wie die tunesische Aktivistin Amina Tyler oben ohne protestieren wollen. Andere erklärten: "Nacktheit macht uns nicht frei.“ Dass es mehrere Arten von Freiheit gibt, akzeptieren die Femen nicht - für sie kann eine Frau mit Kopftuch nicht frei sein.

Der Kritik von Musliminnen entgegnete Shevchenko, Sklaven hätten immer geleugnet, dass sie Sklaven seien. Aber dass Frauen selbst definieren können, was sie sind, und respektiert wird, was sie wollen und vor allem was nicht - das ist es doch, was Feminismus will.


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