Nachgetragen  Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Wiedersehen in der Stadt der Kindheit: Vertriebene Jüdinnen besuchen Wien

Politik | Barbara Tóth | aus FALTER 16/13 vom 17.04.2013

Es war Leon Zelmans größter Wunsch: Juden und Jüdinnen, die von den Nazis aus Wien vertrieben wurden, wieder mit ihrer Heimatstadt vertraut zu machen. Ihnen damit die Angst vor dem Wiedersehen zu nehmen und ihnen zu zeigen, dass die Stadt aus ihrer Geschichte gelernt hat. Viele holte der vor fünf Jahren Verstorbene mit seinem Jewish Welcome Service das erste Mal zurück, manche kamen in der Folge immer wieder.

Vom 14. bis 21. April wird wieder eine Gruppe von etwa 80 hochbetagten Besucherinnen erstmals im heurigen Erinnerungsjahr - 75 Jahre nach 1938 - in Wien zu Gast sein. Die Gäste kommen aus Israel, den USA, Großbritannien, Argentinien, Mexiko und Australien. Eine von ihnen, Marion Wolff, konnte am 10. Dezember vor 75 Jahren mit dem ersten Kindertransport nach London entkommen.

Teil des Programms ist ein Empfang bei Bundespräsident Heinz Fischer und im Bundeskanzleramt bei Werner Faymann sowie eine Einladung zu einer "Wiener Jause“ ins Wiener Rathaus. Für Menschen, die geschmäht und verjagt wurden, sind diese Anlässe besonders berührend. Als späte Anerkennung, für manche vielleicht auch eine Art Genugtuung. Die Kultusgemeinde gibt ihnen zu Ehren am Freitag ein Shabbat-Dinner.


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