Mediaforschung  Verführungskolumne

Ist das wirklich echtes Burgenländisch, Herr Krutt?

Medien | Barbara Tóth | aus FALTER 16/13 vom 17.04.2013

Wie ärgert sich ein Niederösterreicher, wenn das Internet wieder einmal auf sich warten lässt? "Schleicht’s eich mit dem zachn Intanet!“ Und was sagt der Burgenländer in der gleichen Situation? "Des Intaned is zach wia a olds Gsölchts!“

So zumindest ist es auf den Plakaten von Kabelplus derzeit zu lesen. Die Firma Kabelplus ist ein regionaler Anbieter, der in der Nische, die ihm die beiden großen Netzprovider UPC und Chello lassen, nach Kunden fischt. "Deswegen dachten wir, unsere Werbung sollte dieselbe Sprache sprechen wie die Leute“, meint der verantwortliche Kreativdirektor Tom Krutt von Young & Rubicam Vienna.

Die Manager bei Kabelplus musste man von der unkonventionellen Idee erst überzeugen. Dialekt in der Werbung liegt nicht unbedingt im Trend, im Gegenteil. Lieber lässt man es englisch klingen, wie die Drogeriekette Bipa mit ihrem Dada-Slogan "Bi Bipa“.

Damit die Dialektkampagne im Fall von Kabelplus auch möglichst authentisch ist, konsultierte Krutt die Dialektforscherin Eveline Wandl-Vogt von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Der Fotograf Peter Rigaud lichtete die Personen zur Kampagne ab, auch sie sind "echt“. Der junge Mann, der sich über das "zache Intanet“ aufregt, ist tatsächlich Fleischhauer. Ebenso wie die ältere Obst- und Gemüsehändlerin, die über das schlechte Fernsehen maunzt. Auf Niederösterreichisch sagt sie: "Sakrahaxn, hob i a deppads Fernsehn!“ Burgenländisch heißt es dann: "Rearn kint i bei den blunznbledn Feansegn!“ A guide Reklam.


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