Enthusiasmuskolumne  Diesmal: der beste Schmähgesang der Welt der Woche

Mitm Heislschmäh im Oasch daham

Feuilleton | Gerhard Stöger | aus FALTER 16/13 vom 17.04.2013

Es lebe der Zentralfriedhof“, soeben in einer "De-luxe-Edition“ neu aufgelegt, ist eine der besten österreichischen Platten der 1970er-Jahre. Es ist das Schlüsselwerk des klassischen Austropop und das beste Album, das Wolfgang Ambros je gemacht hat. Im März und im April 1975 aufgenommen, passt hier einfach jedes Detail.

Das tolle Cover mit seiner tristen Grau-in-Grau-Ästhetik und der vorbeispazierenden Pensionistin mit Hund; das Lebenslust, Morbidität und Schmäh vereinende und Wien damit so wunderbar charakterisierende Titelstück; das Nebeneinander von Sauflied ("Wem heut net schlecht is“) und Poesie ("De Kinettn wo i schlof“); die Abfolge der zehn Songs; die gar nicht mal so klebrige Produktion von Christian Kolonovits; die beiden Kompositionen von Ambros’ Haberer Georg Danzer, die prototypisch für die beiden Seiten des zweiten großen Austropop-Sängers stehen: die Selbstmörderballade "Heite drah i mi ham“ und die Schenkelklopfer-Blödelei "A Gulasch und a Seidl Bier“.

Ein spezieller Höhepunkt des Albums ist "G’söchta“, das vierte Lied. "G’söchta, mit dein Heislschmäh bist bei mir im Oasch daham!“, hebt Ambros an. Er singt es nicht, er schreit es hinaus. "Glaubst weust an Mercedes hast, kannst do deppert einedrahn?“ Am Ende reimt sich "i daschlog di mit an noss’n Fetz’n“ auf "du Weh, du Wimmerl, du Kretzn!“.

Die Musik langt allerdings nicht etwa ordentlich hin: Statt wild zu rocken, tänzelt "G’söchta“ in einem beseelten Funk-Arrangement mit Bläsern daher; den Bass ließ ein gewisser Kurt Hauenstein grooven, der bald darauf als Supermax Weltkarriere machen sollte. Und auch für "G’söchta“ selbst ist ein Superlativ angebracht: Einen leiwanderen Schmähgesang hat der österreichische Pop bis heute nicht hervorgebracht.


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