Ohren auf  Mr. Smith trommelt

Konserven kann man auch im Jazzclub kaufen!

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 16/13 vom 17.04.2013

Eine der schönsten Möglichkeiten, Musikkonserven zu erstehen, ergibt sich im Rahmen von Livekonzerten. Nicht nur kann man sich die CDs gleich von den Musikern signieren lassen, man darf auch davon ausgehen, dass diese von den 15 Euro, die man dafür auslegt, ein bisschen mehr sehen als üblich. Und schneller geht’s mitunter auch.

Noch bevor das durchaus adäquat betitelte "Hammered“ (Clean Feed) bei Amazon oder auf iTunes gelandet ist, brachten es Ches Smith and These Arches am vergangenen Sonntag sozusagen persönlich im Porgy & Bess vorbei. Wer nicht dort war, hat ein mitreißendes Konzert dieses mit zwei Saxofonen (Tim Berne, Tony Malaby), Akkordeon (Andrea Parkins), Gitarre (Mary Halvorson) und eben dem extrem umtriebigen Drummer Ches Smith recht unorthodox besetzten Quintetts verpasst. Eine hypervolatile, urbane Nervenmusik, die ihren hysterischen Überschwang und die beachtlichen zentrifugalen Kräfte aber immer wieder durch einen vorwärtstreibenden Groove und nachvollziehbare Strukturen bändigt.

Wesentlich intimer, aber nicht weniger großartig war das Konzert, das der Klarinettist Ben Goldberg Ende März gemeinsam mit der Pianistin Myra Melford ebenfalls im Porgy & Bess gab. Und auch er hatte seine jüngsten Alben im Gepäck. "Subatomic Particle Homesick Blues“ ist fast im Stile einer Jam-Session eingespielt, ein Manifest überbordender Spielfreude, bei dem sich Goldberg, Joshua Redman (ts) und Ron Miles (tp) aber auch zu elegischen Momenten zusammenfinden, und Ches Smith beweist, dass er auch ganz "straight“ swingen kann. Auf "Unfold Ordinary Mind“ (beide: Bag Production), wo Goldberg seine contra-alto clarinet in den tiefsten Registern grundeln lässt und Smith immer wieder einen tiefgelegten Funk-Groove einzieht, mischt sich Gitarrist Nels Cline in das saxofonistische Gewusel, das Ellery Esekelin und Rob Sudduth entfachen. Eine hochenergetische Angelegenheit, die mit "Breathing Room“ in jubilierender Innigkeit ausklingt.


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