Stadtrand Urbanismuskolumne

Wie im Garten die Demokratie wächst

Stadtleben | aus FALTER 16/13 vom 17.04.2013

Es steht ja nirgends geschrieben: Du sollst nicht in die Schrebergärten schauen! Daher gehört es zu den besonderen Vergnügen des Stadtspaziergängers, die Grünflächen vor Einfamilienhäusern zu inspizieren. Nach eingehender Prüfung lässt sich sagen: Hausbewohner projizieren die Innenwelt auf die Außenwelt. Das würde heißen: Wer es nicht schafft, das Wohnzimmer zu einem Ganzen zusammenzufügen, dem wird auch der Garten in Einzelteile auseinanderbrechen. Da steht ein planloser Busch, dort ein Blumenbeet und irgendwo, traurig verloren, eine Pergola. Da ein südlicher Rosmarin, dort eine Bauerngeranie.

Dieser Einschätzung der zum Ästhetizismus neigenden Garteninspekteure muss heftig widersprochen werden. Die Hässlichkeit vieler Gärten ist Ausdruck von Freiheit. Organische Einheiten waren nur in patriarchalen Ordnungen möglich, mit einer Eiche als Oberhaupt und gezüchteten Rosen als Untertanen. Heute darf beim Grünzeug jeder mitreden. In der Idylle der Patchworkfamilien hat jedes Unkraut einen Platz an der Sonne. Wie Mao sagte: "Lasst hundert Blumen blühen.“

Matthias Dusini denkt über die politische Ausrichtung von Gärten nach


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