Prost!  Lexikon der Getränke. Diese Woche: Durstige Kräuterhexe

Der Tee, der lockruft: flüssig gewordene Süßigkeiten

Stadtleben | aus FALTER 16/13 vom 17.04.2013

Kleine Zeitgenossen zum Teetrinken zu bewegen, das liegt im Ranking der Herausforderungen in der Kindererziehung an vorderster Stelle. Für manche zumindest. Der morgendliche Kakao ist ja leider qua TCM hinsichtlich Verschleimung und der Entwicklung von Intoleranzen stark in Misskredit geraten. Man sollte bedenken, dass sich der Mensch in Europa die Fähigkeit, Laktose zu verdauen, durch Genmutation vermutlich erst vor 7500 Jahre angeeignet hat. Da kann es schon sein, dass da einige erst gar nicht mitgemacht haben.

Es gibt mittlerweile einen großen Markt an Kindertees. Wer in Bioläden kauft, der muss sich zunächst durch ein Meer von Zauber-, Bärli- und Betthupferlmischungen probieren. Falls die Verkostung unglücklich verläuft, ist die Geldtasche hernach leerer und die Motten freuen sich auf Nachschub. Gute Erfahrungen konnten mit Ayurveda Wohlfühltee und Teekanne Apfeltee gemacht werden - Hauptsache süß. Das ist leider wahr. Wer auf Zucker, Honig und so weiter verzichten möchte, der kann auf das zahnschonende Xylit setzen.

Große Firmen wie Milford setzen wiederum auf Nummer sicher: In der Durstigen Kräuterhexe findet sich ein Haribo-Gummibärensackerl und die Zitronengras wurde mit Karamellgranulat versetzt. Welche Unverträglichkeiten da herauskommen, das möchte man gar nicht erst wissen. Fruchtiges Beerchen und Süßer Marillenkäfer ist selbst dem Kindergaumen zu aromatisiert. Akzeptabel: Lustiger Hollerzwerg. Over. MS


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