Ins Mark  Der Kommentar zur steirischen Woche

Da geht die Hutschnur hoch

Steiermark | aus FALTER 16/13 vom 17.04.2013

Die Diskussionen rund um die rechtsgerichtete Rockband Frei.Wild (siehe S. 22), die demnächst in der Grazer Stadthalle auftreten soll, kommen nicht zur Ruhe. Das ist gut so. Die Verschleierungstaktiken der neuen Rechten und ihre zynischen Vexierspielchen bedürfen einer noch breiteren öffentlichen Diskussion. Während die Stadt Wels das Konzert schon abgesagt hat, wollte sich der hiesige Gemeinderat nicht einmal distanzieren. Letzte Woche hat Bürgermeister Siegfried Nagl in einem Interview mit der Grazer Woche noch ein Schäuferl nachgelegt: "Es ist bedenklich, wenn von einem Teil unserer Gesellschaft jeder Bezug zu Heimat, zu Schönheit von Landschaft in ein extrem nationalistisches Eck gestellt wird.“ Wäre die Aussage nicht in diesem Zusammenhang getroffen worden, könnte man sagen: Okay, ist auch eine Meinung. So aber geht einem nun wirklich die Hutschnur hoch. Hat Nagl die Diskussion verschlafen? Stellt er sich unwissend? Es wurde noch niemand geächtet, nur weil er beim Wandern so richtig durchatmen kann. Das südsteirische Weinland, wunderschön! So, jetzt warte ich auf den Nationalismusvorwurf. Frei.Wild wurde vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands als extrem bedenklich eingestuft. Das ist keine Ortsgruppe des Fähnlein Fieselschweif. Nagl meinte, das Konzert kann in Graz "jedenfalls stattfinden“. Gut. Aber er soll sich nicht auf das Recht des Nationalstolzes berufen. Auch nicht, wie er es tat, auf die Freiheit der Kunst oder den Verfassungsschutz. Der hat die Burschen vom Verdacht der Wiederbetätigung freigesprochen. Deshalb aber nun für Ruhe im Karton zu plädieren, wie der Bürgermeister es macht, wird der Sache nicht gerecht.

Tiz Schaffer ist Redakteur im Steiermark-Falter


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