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Falters Zoo | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 16/13 vom 17.04.2013

Keine Gags mit Namen, bloß keine Gags mit Namen“, lautet auch hier hinten im Falter-Zoo das Mantra des journalistischen Ethos. Weshalb wir es halt einfach nur gut finden, dass der Kenianer Henry Sugut zum dritten Mal den Vienna City Marathon (falls Sie sich am Sonntag über den Hubschrauberlärm gewundert haben: Sie liefen wieder) gewonnen hat. Der äthiopische Läufer Haile Gebrselassie gewann - ebenfalls nicht zum ersten Mal in Wien - den Halbmarathon. Für ihn war die Massensportveranstaltung "ein Fest“. Okay, nicht nur für den Gewinner. Denn natürlich sind noch weitere fast 40.000 Läuferinnen und Läufer Sieger. Zum Beispiel, weil sie sich selbst besiegt haben. Oder denjenigen, der zuerst noch so weit vor ihnen war. Und jetzt die Meldung für die ganz, ganz Schnellen: Nach dem Marathon ist vor dem Marathon. Weshalb sich diese Woche bereits knapp 1000 Läuferinnen und Läufer für 2014 angemeldet haben.

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Nein, der Maler Herbert Brandl hat nicht die Sachertorte neu erfunden. Aber, das hat inzwischen Tradition, Hotel- und Tortendirektorin Elisabeth Gürtler hat sich vom Künstler ein Tortenkistl gestalten lassen. Die Verpackung ziert nun 1000-mal für den wohltätigen Zweck eines von Brandls berühmten Bergmotiven. Dabei wäre eine Torte als Schokoberg sicher auch ein lohnender Marketinggag gewesen. Aber die Form der berühmten Süßspeise ist ganz bestimmt geschützt und geregelt wie der Name. Und daran darf auch kein Künstler herumspachteln. Wer so eine Brandl-Teig-Torte (oh, keine Witze mit Namen, keine Witze mit Namen!) für 45 Euro erwirbt, unterstützt damit die Wiener Uniklinik für Kinder und Jugendheilkunde. Was wurde eigentlich aus dem Streunkatzenprojekt der Nitsch-Kistln von vor ein paar Jahren?

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Wie wir wissen, sind soziale Medien oft gar nicht so wahnsinnig sozial, sondern total fies. Also nicht die Medien, aber die Benutzer. So ergießt sich seit Tagen ein Hämeschwall über Felix Baumgartner. Der Extremfallschirmspringer hatte auf einer Promimesse in Cannes einen Rockstar getroffen, mit ihm posiert und dann auf Facebook Kiss-Mann Gene Simmons mit Realityshow-Rocker Ozzy Osbourne verwechselt. Und jetzt? Stellen alle Fotos von sich mit irgendwem online und schreiben Blödsinn dazu. Hübsch: Von Alkbottle Roman Gregory gibt’s ein Bild mit Mr. Osbourne. Bildtext: "Gene Simmons! Such a cool guy! I love his music!“

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Wen wir wirklich mögen: Joachim Meyerhoff. Der kann nämlich nicht nur Burgschauspieler, sondern auch Buch. Schon zum zweiten Mal hat Meyerhoff seine Jugenderinnerungen in Romanform niedergeschrieben. Auch schon zum zweiten Mal präsentierte er "Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ (Kiepenheuer & Witsch) im ausverkauften Akademietheater. Und es kommen sicher noch mehr Lesungen dazu: ein Mann, ein Tischchen, ein Sessel und ein Buch, toll. "The Hoff“ kann eben auch lesen.

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Dürfen wir Meyerhoffs Burg-Kollegen Nicholas Ofczarek künftig "The Of“ nennen, oder nähern wir uns da schon boulevardesken Abgründen? Jedenfalls ist Ofczarek - neben Christiane Hörbiger, Sunnyi Melles, Mavie Hörbiger oder Eva Longoria einer der Programmpunkte beim Pre-Life-Ball-Anlass "Red Ribbon Celebration Concert“ am 24. Mai im Burgtheater. Während die Burg-, Fernseh- und Hollywoodschauspieler lesen, werden Anna Netrebko oder Erwin Schrott was Schönes singen. Der Vorverkauf hat vergangene Woche begonnen. Darf man Netrebko eigentlich "The Ko“ nennen und Schrott "The Ott“? Okay, wir gehen ja schon. In uns.

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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