Film Neu im Kino

Hüseyin Tabaks "Deine Schönheit ist nichts wert"

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 16/13 vom 17.04.2013

Deine Schönheit ist nichts wert" ist der Titel eines Gedichts des türkischen Poeten Aşık Veysel. Seine Werke sind eine Art Heiligtum in der Familie des zwölfjährigen Veysel, der nach dem berühmten Dichter benannt wurde. Seit einem halben Jahr lebt die türkisch-kurdische Familie in Wien, wo Veysels politisch verfolgter Vater auf Asyl hofft.

Nach "Das Pferd auf dem Balkon" steht auch in Hüseyin Tabaks zweitem Lang-Spielfilm "Deine Schönheit ist nichts wert" ein Bub mit Schwierigkeiten im Mittelpunkt: Streit in der Familie ist der Normalzustand, die deutsche Sprache will sich Veysel (Abdulkadir Tuncer) nicht erschließen, und die zauberhafte Ana, in die er sich verliebt hat, ist nur in seinen Tagträumen seine Freundin.

Das Gemeindebau-Setting und der ruppige Nachbar mit dem Herzen am rechten Fleck sind weitere Ähnlichkeiten zwischen Tabaks Spielfilmen, abgesehen davon ist der fast durchgängig türkischsprachige und deutsch untertitelte "Deine Schönheit ist nichts wert" aber weit von der Atmosphäre eines weihnachtlichen Kinderfilms entfernt. Durch die Augen eines schüchternen Buben erzählt, werden familiäre Zerrissenheit, Heimatlosigkeit und die Angst vor Abschiebung bedrückend spürbar. Tabak fängt den Alltag von Migranten zwar auch humorvoll ein, gibt Hoffnung und poetischen Gedanken über die Liebe Platz, die sein Werk familientauglich machen.

Doch zeigt sein melancholischer Film unmissverständlich, was sich hinter Veysels unsicherem Lächeln verbirgt: der innere Rückzug eines Kindes zwischen den Fronten, das unter dem Druck der Umstände zerrieben zu werden droht. Eine Leistung auf der emotionalen Ebene, die andere Filme nicht erbringen, auch wenn sie die Probleme von Flüchtlingen überdeutlich ansprechen.

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