Nein, meine Suppe ess ich nicht!

Der kratzbürstige Mark Oliver Everett, auch bekannt als E, ist der Chef der Eels. Sie kommen nun auch nach Graz

Steiermark | Tiz Schaffer | aus FALTER 16/13 vom 17.04.2013

Mark Oliver Everett ist jetzt schon gut 20 Jahre auf der Piste. Everett ist besser bekannt unter seinem Pseudonym E, unter dem er am Anfang seiner Karriere veröffentlichte. Seit Mitte der 1990er steht er der US-amerikanischen Indie-Pop-Band Eels vor. Sein Vater ist Hugh Everett, war Quantenphysiker und beschäftigte sich mit multiplen Universen. Für die BBC hat Mark Oliver vor einigen Jahren eine Doku über seinen Vater angefertigt, die Autobiografie von E ist auch schon erschienen. Da erfährt man, dass er keine gute Beziehung zu seinem Vater hatte, seine Eltern früh starben und seine Schwester Selbstmord beging. Das sind wohl nicht zuletzt Gründe, warum er heute nicht selten als verschroben, als Kauz und als Eigenbrötler bezeichnet wird. In der Zeit war einmal zu lesen, wäre Everett ein "Simpsons"-Charakter, er wäre Hausmeister Willie.

Innerhalb fast zweier Jahrzehnte haben die Eels zehn Studioalben veröffentlicht. Das ist ein recht gewöhnlicher Schnitt, allerdings gab es schon mal die eine oder andere Durststrecken dazwischen. Die eine oder andere Wandlung haben die Eels seit ihrem Debütalbum "Beautiful Freak" (1996) ebenfalls hinter sich, aber Everetts Handschrift ist markant und stets erkennbar: Er ist ein ausgezeichneter Songwriter, das ist den steinerweichenden Balladen genauso anzuhören wie etwa den prägnanten, am Punk angelehnten Krachern. E kann aber auch verspielt oder um Originalität bemüht sein. Mitunter ist er bitterböse, nicht selten selbstironisch. Enttäuschungen dürften ihm in seinem Leben so einige widerfahren sein. Zumindest wenn man seinen Songs Glauben schenkt.

Anfang des Jahres ist sein neues Album erschienen. Auf "Wonderful, Glorious" möchte nun ein beinahe 50-Jähriger alle Register seiner Kunst ziehen: Liebliches aus dem Balladenfach, Mitbringsel aus der alten Rock-Schule, neu verpackt, und ein dickes Bündel an Songs unter dem Motto: Wir fransen aus. Wunderbar, glorreich? Schon ein bisschen, ja!

Orpheum, Graz, Fr 20.00


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