Nachrichten aus dem Inneren

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 17/13 vom 24.04.2013

Die Redaktion erklärt sich selbst

Die Mainstreamer machen immer alles mit, was alle andern auch grad machen. Die Avant- und Retrogardisten agieren antizyklisch. Und die wirklich ausgeschlafenen Typen, Kerle wie Wurmdobler also, machen sowieso beides. Mitten im Winter unseres Missbehagens brachte der Stadtleben-Redakteur in seinem Ressort eine große Bildgeschichte über Freibäder. Sehen ja auch sehr stimmungsvoll aus, so angeschneit und zugeeist.

Anfang April dann, als die Graupelschauer noch einmal durch die Gassen und über die Gstätten jagten, titelte Wurmdobler - wider alle meteorologische Evidenz: "Endlich Frühling: Nichts wie raus!“ Und nun, da die beschworene Jahreszeit sich tatsächlich aufgerappelt hat, greift er wieder ins tiefe Fach mit den Freibadartikeln und bringt eine Geschichte über Badewaschlcasting, die Gerd Millmann verfasst hat.

In seinem Einkaufssackerl, das Wurmdobler zärtlich "Besorgbeutel“ nennt, findet sich allerlei Zeug, das ihn eher als middle-of-the-road man ausweist. Wurmdobler kauft, was man jetzt halt so kauft: Hüttenkäse zum Beispiel oder Jakobsleiter, Alpenastern und Hohes Johanniskraut. Die will er wohl in seinen Kräutergarten einpflanzen, damit er was zum Aufs-Cottage-Cheese-Knäcke-Streuen hat oder sich auch mit dem funkelnagelneuen Mörser, der seit kurzem in der Dark Star steht, ein schönes Alpenasternpesto stampfen kann. Wo Wurme modisch steht, ist nicht ganz so eindeutig: Er trägt jedenfalls Neo-Geo-Socken, aber ob das nun retro oder schon wieder avant ist, weiß man nicht so recht.


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