Enthusiasmuskolumne  Diesmal: die beste Bob-Marley-Reinkarnation der Welt der Woche

High sein, frei sein, überall dabei sein

Sebastian Fasthuber | Feuilleton | aus FALTER 17/13 vom 24.04.2013

Hip-Hop-Star, Witzfigur, Pornoproduzent, Cheech und Chong in Personalunion: Snoop Dogg war in seiner bewegten Karriere schon vieles. Jetzt ist noch eine Rolle dazugekommen, die wahrscheinlich verrückteste seines Lebens: Reggaesänger und Reinkarnation von Bob Marley.

Snoop Dogg will von nun an nicht mehr nach dem berühmten Comichund, sondern Snoop Lion gerufen werden. So hat ihn ein Rastafaripriester während eines Aufenthalts auf Jamaika genannt, bei dem sich in dem Entertainer, wenn man seinen Worten glauben darf, eine tiefe Wandlung vollzogen hat. Das Album sowie der Dokumentarfilm zur Wandlung heißen beide "Reincarnated“ und machen großen, im besten Sinne sinnfreien Spaß. "Seht her!“, sagt Snoop Lion: "Ich bin nicht mehr der verantwortungslose Rapper, der seine Gangsta-Vergangenheit immer wieder aufs Neue glorifiziert und Frauen zu reinen Sexobjekten degradiert.“

Stattdessen singsangt er zu gemütlichem Schunkelreggae über Love, Peace, Unity und sein geliebtes Gras: "Get high with me, fly with me!“ Praktisch: Das Rauchen musste er durch seine Wandlung nicht aufgeben, es ist nun ja sogar Teil seiner Religion. Während der Marley-Tross, der die Aktion zunächst unterstützte, inzwischen zürnt, Snoop habe den Namen Bob Marley missbraucht, kann man die Show als unbeteiligter Beobachter genießen wie einst Joaquin Phoenix’ Performance in "I’m Still Here“ - nur ohne das Unbehagen, dass sich hier jemand wahrhaftig entblößt.

Der Löwe bleibt immer auf der sicheren Seite und in erster Linie Unternehmer. Während eines Interviews in seinem Anwesen in Los Angeles räkelten sich im Nebenzimmer halbnackte junge Frauen. Es handelte sich um die Wettermoderatorinnen von Snoops TV-Kanal.


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