Wir sind hier doch nicht bei den Dardennes!

Feuilleton | Filmkritik: Michael Omasta | aus FALTER 17/13 vom 24.04.2013

Ursula Meiers Film "Winterdieb“ zeigt Empathie für seinen jugendlichen Helden und kommt ohne Sozialdrama-Attitüde aus

Simon ist mit seiner "Einkaufsliste“ unterwegs. Auf dem Herrenklo legt er eine kurze Teepause ein, dann macht er weiter mit seinen Besorgungen: einem Rucksack, gefütterten Handschuhen, diversen Skibrillen und -helmen, dazu braucht er noch einen Anorak und ein Paar ganz bestimmter Ski.

Nichts ist vor dem zwölfjährigen Buben sicher. Systematisch klappert er die teuren Skihütten und großen Raststationen ab, in denen sich Touristen vergnügen, die nicht aufs Geld schauen müssen. Es kümmere die Leute dort oben nicht, erläutert Simon einmal die Geschäftsphilosophie seines Second-Hand-Handels: Wenn denen etwas wegkommt, kaufen sie’s einfach neu.

Der schmächtige Simon ist ein Profi. Tag für Tag fährt er mit der Gondel hinauf und geht seiner Arbeit nach. Er stiehlt, um sich und Louise, die alle für seine große Schwester halten, zu ernähren. Sie ist dazu nicht


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige