Ohren auf  Neues von Gramola

Wagner-Perlen, Evergreens und eine Hommage

Feuilleton | Miriam Damev | aus FALTER 17/13 vom 24.04.2013

Es ist eines der letzten übrig gebliebenen Klassikfachgeschäfte in Wien und dazu das älteste - Gramola am Graben. In den letzten Jahren hat sich Gramola auf den Vertrieb und die Produktion von CDs und DVDs spezialisiert. Auch jede Menge Eigenproduktionen sind dabei, darunter viele Kostbarkeiten und Raritäten.

Passend zum Wagner-Jubiläum spielen Ana-Marija Markovina und Cord Garben den "Parsifal“ in einer Bearbeitung für Klavier zu vier Händen. Arrangiert wurde die Oper von Engelbert Humperdinck, der selbst eng mit den Wagners verbunden war. Schön klingt das, leicht und sinnlich, auch wenn die kompositorische Dichte von Wagners Musik mit 20 Fingern nicht zu bewältigen ist. Das soll aber auch nicht der Anspruch sein. Humperdinck paraphrasiert den Bayreuther Meister virtuos; Markovina und Garben musizieren mit packender Spielfreude und großer Sensibilität. Jubiläum sei Dank, sonst blieben solche Perlen unentdeckt.

Der Komponist Erwin Schulhoff war Jazzmusiker, Dadaist und überzeugter Kommunist. 1942 starb er in einem deutschen Internierungslager, nach dem Krieg geriet seine Musik in Vergessenheit. Das Duo DS (David Delgado und Stefan Schmidt) hat nun das "Gesamtwerk für Violine und Klavier“ eingespielt. Die Vielseitigkeit Schulhoffs spiegelt sich in seinen Stücken wider: Mühelos verbindet er barocke Zitate mit Bartók’scher Moderne und keckem Jazz. Delgado und Schmidt finden dabei stets den richtigen Ton, auch weil sie Schulhoffs Musik nicht todernst nehmen. Eine gelungene Hommage!

Thomas Albertus Irnberger (Violine) und Jörg Demus (Klavier) entführen mit "Salon de Paris“ in die Belle Époque der Seine-Metropole. Neben Ohrwürmern, etwa Debussys "Clair de lune“, der Meditation aus "Thais“ von Jules Massenet oder Chopins Nocturne in cis-Moll, sind auch kleine Kostbarkeiten zu hören, darunter zwei Kompositionen des Pianisten selbst. Besonders reizvoll: Henri Duparcs "Chanson triste“ mit der Sopranistin Christine Ornetsmüller.


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