Logbuch

Das hätte ich allerdings ahnen können

Doris Knecht   | Kolumnen | aus FALTER 17/13 vom 24.04.2013

16.4. "Der Glanz des Tages“ mit Philipp Hochmair und Walter Saabel: Was für ein schöner Film. Präzise, warmherzig und ganz unprätentiös. Die Filmemacher Tizza Covi und Rainer Frimmel (plus Co-Autor Xaver Bayer) haben das seltene Talent, Geschichten nicht in Grund und Boden erzählen zu müssen, Geheimnisse einfach schweben zu lassen, Gedanken nicht zwingend zu Ende zu denken und aus solchen Fragmenten dennoch die stimmigste Geschichte zu bauen. Fantastische Schauspieler, großartiges Ende, ganz wunderbarer Film. Läuft in ganz Wien nur in zwei Kinos. Schande.

17.4., 7.30 Uhr. Die Löcher in den Jeans des Kindes nehmen mittlerweile mehr Raum ein als der Stoff rundherum und sind sogar mir nicht mehr wurscht. Mutter: "Heast, Kind, du schaust heute aus wie ein Punk.“ Kind: "Ma daaaaaanke, Mama!!!!“ Das hätte ich allerdings ahnen können.

18.4. Seit mein kaputter Knöchel (sieben Schrauben, eine Platte; auch der Horwath sagt: schöne Handwerksarbeit) mich gezwungen hat, meistens Sneakers zu tragen, verstehe ich endlich, warum die meisten Frauen meistens Sneakers tragen. Das ist nun doch sehr bequem. Das ist in der Tat dermaßen bequem, dass man mit der Zeit sogar fast vergisst, wie scheiße das aussieht. Es wird auch das Radfahren sicherer dadurch, was endlich auch wieder geht, besonders nach dem Frühjahrsservice, im Zuge dessen mir der Radl-Zangler rutschfeste Pedale eingebaut hat. Gut. Sneakers also. Die langen, spitzen Stiefeletten mit den winzigen Pfennigabsätzen würden zu dieser Jacke dennoch … Egal.

19.4., 8.10 Uhr. Zwischen dem Badezimmer und der Küche gibt es ein Fenster, über dem die Vormieter wahrscheinlich aus Gründen der Diskretion mit Klettband einen Vorhang befestigt hatten. Als wir einzogen, machten wir den Vorhang ab, dabei löste sich ein kurzes Stück des Klettbands, das seither über das Fenster baumelt, was einem jedes Mal auffällt, wenn man in der Wanne sitzt. Seit wir hier wohnen, denke ich mir dreimal die Woche, dass ich das jetzt aber gleich richte, muss man ja nur dreimal antackern, erledigt. Wir wohnen hier seit neun Jahren. Sobald ich hier fertig bin, richte ich das sofort.

9.30 Uhr. Weil ich nicht Computerdeutsch kann, sind irrtümlich alle Daten von meinem Blog für immer gelöscht worden, alle Texte der letzten zwölf Jahre, ich glaube, es waren so ungefähr 2000. Man könnte heulen deswegen, aber es wäre perfekt sinnlos. Eine Freundin hat mir einmal eine Zeichnung auf eine Serviette gemacht, es war, glaube ich, etwas Buddhistisches. Zwei Kreise: innen die Sachen, die man ändern kann und wegen denen es sich lohnt, sich einen Kopf zu machen. Außen die Sachen, über die man sich dumm und deppat ärgern könnte, die sich dadurch aber kein bisschen änderten, weshalb man das Ärgern genauso gut lassen kann: andere Menschen und ihre Entscheidungen, gelöschte Daten, vergossene Milch. Also. Pech. Schreiben wir halt was Neues.

Doris Knecht repariert das jetzt gleich


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