Menschen

Schamlos

Falters Zoo | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 17/13 vom 24.04.2013

Good old Hollywood gibt sich derzeit in Wien die Hotelzimmerklinke in die Hand. Jetzt war schon wieder einer da: Jean Claude Van Damme nämlich. Der Schauspieler und Actionfilmdarsteller stellte im Bristol seine neue TV-Serie "Dubai Force“ vor. Unter Zuhilfenahme zahlreicher Models. Wer jetzt müde lächelt und abschätzig "Universal Soldier“ zischt, sollte sich ganz schnell das erstaunliche Biopic "JCVD“ mit und über Van Damme von 2008 besorgen. Aber so was wird natürlich nicht in Hotelzimmern promotet.

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Romy gab’s für "JCVD“ keine. Wäre ja auch bizarr, dem Hollywoodtypen aus Belgien einen österreichischen Fernsehpreis zu geben. In die Hofburg als Stargast der Verleihungssause geschafft hatte es immerhin Kate Walsh, bekannt aus der US-Serie "Private Practice“. Beliebteste Seriendarstellerin wurde dann aber trotzdem Adele Neuhauser; ihr Kollege Henning Baum ("Der letzte Bulle“) beliebtester Seriendarsteller. "Tatort“-Forensiker Jan Josef Liefers bekam eine Romy als bester Schauspieler und bedankte sich bei seinem "Gustl-Opa“. Hübsch anzusehen: die rot lackierten Fingernägel von Regisseur und Schauspieler Matthias Schweighöfer und das Kleid von Moderatorin Mirjam Weichselbraun. Schon wieder, sorry! Am allerallerschönsten allerdings war das Häkelkleid, das Lieblingsschauspieler Michael Ostrowski aus gegebenem Anlass trug: original Romy-Schneider-Look. Respekt!

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Großer Auflauf im Swarovski-Kaufhaus auf der Kärntner Straße. Hier zeigt Hausherr Stefan Isser neuerdings Kreationen des Londoner Hutdesigners Philip Treacy. Klatschblattkonsumenten wissen: Das ist der, der die Hüte für die königliche Hochzeit gemacht hat. Was heißt Hüte - Inszenierungen! Ein Kunstwerk in der Swarovski-Schau sieht aus wie ein altertümliches Schiff mit Wind in den Segeln. Ein anderes wie eine Menge leckeres Fingerfood. Ach nein, huch!, das war ja das Fingerfood einer Besucherin. "Ich habe verstanden, dass die Leute nicht Hüte kaufen, sondern Träume“, sagte Treacy bei der Eröffnung. Und dafür legen die Leute eine Menge Geld ab.

Nochmal Kärntner Straße. Antoinette Bader, die junge Wiener Designerin aus der Schweiz, hat dort für den Uhrenhersteller Rado eine Auslageninstallation gestaltet. "Woven Gears“ nennt Frau Bader ihr Werk, das verwobene Zahnräder darstellen soll. Also sozusagen und naheliegend: ein Uhrwerk. Jeden Monat gestalten junge Designschaffende das Rado-Schaufenster; im Herbst - rechtzeitig zur Vienna Design Week - wird dann ein Jahressieger ermittelt und bekommt den "Rado Star Prize“.

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Der Irrsinn der Woche fand aber im Metropol statt, wo derzeit die "Festwochen Schamloser Kultur 2013“ (FSK 13) unter anderem stattfinden. Wir waren bei der New Yorker Entertainerin Amy Gordon, die als Amy G für Furore sorgt. Die Frau kann eine Menge: mit Rollschuhen stepptanzen, großartig singen, mit dem Popo "Home of the Brave“ summen und sowieso noch toll aussehen. Fast ein bisschen zu viel, irgendwie. Weshalb uns die lang angekündigte Marlene-Dietrich-Nummer (Frau Gordon hat deutsche Wurzeln) auch am besten gefallen hat. Ihre Marlene fiel von der Bühne, die Band lachte und die Künstlerin lief beleidigt davon. Schamlos. Sehr gut.


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