Anstoßen mit Antigone. Steinbauer & Dobrowsky feiern Jubiläum

Kritik: Hermann Götz | Steiermark | aus FALTER 17/13 vom 24.04.2013

Es gab eine Zeit, da war jede Steinbauer-Dobrowsky-Premiere ein Highlight in der Grazer Theaterwelt. Frisch und ungeschliffen rockten die beiden einen Bühnenklassiker nach dem anderen. Ihre Goethe-, Büchner- oder Borchert-Interpretationen waren stets geradliniges Offtheater, texttreue Annäherungen ohne überspannte Dramaturgie.

Das überzeugte den Deutschprofessor genauso gut wie seine pickeligen und pubertierenden Maturanten. Nun feiern Dorothee Steinbauer und Wolfgang Dobrowsky als treues Künstlerpaar ihre Silberne.

Viele Jahre haben sie gemeinsam das Grazer Theatro geleitet, seit zwölf Jahren stehen sie dem Kulturzentrum ccw.stainach vor. In Graz sind die Theatermacher seither seltener zu sehen, dennoch wird das 25-Jahre-Fest hier begangen, mit einem Klassiker unter den Klassikern: Sophokles' "Antigone".

Und es macht den Gästen deutlich bewusst, dass Steinbauer & Dobrowsky ganz die Alten geblieben sind. Die Tragödie, deren intensive Rezeption sich wie ein roter Faden durch die abendländische Geistesgeschichte zieht, bringen sie ungerührt als griechisches Familiendrama. Amokläufe inklusive.

Als Schauplatz des antiken Showdowns zwischen Staatsraison und Geschwisterliebe, Politik und Religion, Mann und Frau wurde die Thalia Bar gewählt. Steinbauer & Dobrowsky verhandeln alles beim Bierzapfen und -trinken, legen via Diktafon, Festnetztelefonie und Radio - manchmal ermüdende - Bypässe für den Text und machen auch mal einen auf Köhlmeier.

Alles zusammen, wie man es gewohnt ist: gute Unterhaltung.

Thalia Bar, Graz, Mo, Di, Mi 20.00


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige