Film Neu im Kino

Ein Ingenieur des Kinos tritt ab: "Side Effects"


JS
Lexikon | aus FALTER 17/13 vom 24.04.2013

Wenn Filmemacher Steven Soderbergh seinen Vorsatz einhält und demnächst auf Malerei umsattelt, dann endet auch eine der wunderlichsten Regisseur-Autor-Partnerschaften der Gegenwart. Soderberghs Inszenierungen neigten schon immer zu kühler Tüftelei, aber seine Kooperationen mit Drehbuchautor Scott Z. Burns ("The Informant!","Contagion") sind schiere Ingenieurskunststücke: listige Erzählkonstruktionen, gebaut aus uneindeutigen Bildern und Charakteren so dünn wie Pappmaché. Kino als Kalkulation ist auch das Programm des dritten Soderbergh/Burns-Films "Side Effects": Der beginnt als Drama über die depressive Gattin (Rooney Mara) eines deklassierten Finanzspekulanten (Channing Tatum), verwandelt sich bald in eine bittere Studie der US-Therapiekultur (als Psychiater: Jude Law) und weiter in einen smarten Thriller. Am Ende scheint ganz New York eine geschlossene Anstalt. Die doppelten Böden sind fachmännisch eingezogen und die Blicke in Kliniken und Arztpraxen neugierig. Mit den Leidenschaften, die im Skript immer barocker brodeln, weiß Soderbergh aber wenig anzufangen. Vielleicht wirkt sein Film deswegen mehr säuerlich als wirklich böse.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmcasino)


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