Film Neu im Kino

Geschichte der Musikerin "Violeta Parra"

Gerhard Midding | Lexikon | aus FALTER 17/13 vom 24.04.2013

Auf ihr berühmtestes Lied muss der Zuschauer lange warten. Es erklingt erst zum Abspann. Da wirkt "Gracias a la vida", Violeta Parras Liebeserklärung ans Leben, bereits wie ein Epitaph, denn zum Ende hin ist ihr eigenes eine traurige Verfallsgeschichte geworden, eine Chronik von trotziger Sehnsucht und Selbstzerstörung.

Auf die Erwartungen des Publikums nimmt "Violeta Parra" von Regisseur Andrés Wood beinahe ebenso wenig Rücksicht, wie es seine Heldin tut. Die Pionierin des chilenischen Nueva Canción buhlt nicht um die Begeisterung des Publikums, sie verlangt dessen ungeteilte Aufmerksamkeit. Die Botschaft ihrer Protestlieder ist einfach und fordernd. Sie schöpft aus dem Reichtum der Folklore, der lebendigen Überlieferung und nimmt damit den Pulsschlag ihres Volkes. Sie ist eine aufrechte Landarbeiterin des Gesangs.

Mit "Machuca, mein Freund" demonstrierte der Regisseur vor langen Jahren, wie kraftvoll er glühendes politisches Engagement im alltäglichen Leben von Figuren heimisch machen kann. Er folgt nicht der Chronologie von Parras Leben, hakt nicht pflichtschuldig Wegmarken ab, sondern erzählt ihre Geschichte im agilen Wechsel der Zeitebenen. So erscheint jeder Moment als Gegenwart. Eine Existenz voller Widersprüche gewinnt fingierte, aber eindringliche Konsequenz. Wir erleben Violeta stets in Bewegung, im Transit; eine Weltbürgerin mit tiefen Wurzeln in der eigenen Kultur. In der Hauptdarstellerin Francisca Gavilán hat der Regisseur eine treffliche Komplizin gefunden -nicht nur weil sie ihrem Vorbild erstaunlich ähnelt, sondern weil sie sich mutig auf die radikale Unbefangenheit Parras einlässt. In der romantischen, erotischen Liebe ist sie ebenso freigiebig und gebieterisch wie in der Nächstenliebe.

Ab Fr im Top-Kino (OmU)


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige