Musik Tipp Jazz

Where has Jazz gone? Antworten gibt's im Fluc

Lexikon | Klaus Nüchtern | aus FALTER 17/13 vom 24.04.2013

Where Has Jazz Gone?" nennt sich die im Herbst letzten Jahres installierte Konzertreihe, und wer das Fluc am Praterstern nicht als Jazzklub auf der inneren Landkarte hat, irrt und hat zugleich auch recht. Fluc-Mann Peter Nachtnebel, der die Reihe kuratiert, fühlt sich der "popkulturellen Gegenwart" verpflichtet, zu der er auch den Jazz zählt. Ein gewisses Ungenügen am "Star-Prinzip" und dem "gepflegten, ästhetischen Konservativ-Radikalismus graubärtiger europäischer Männer", die Nachtnebel in der heimischen Free-Festival-Szene beobachtet, darf man aus dem Veranstaltungstitel aber schon heraushören.

Es ist also wohl kein Zufall, dass der durchaus als "Star" zu qualifizierende und regelmäßig in Wien auftretende US-Saxofonist Ken Vandermark mit vier Italienern und dem gemeinsamen elektro-akustischen Projekt Rara Avis zu Gast ist, in dem die Hierarchien von Melodie- und Rhythmus-Instrumenten infrage gestellt werden. Der Flyer qualifiziert das Konzert übrigens als "Impro/Free/Jazzcore", was offenbar hilfreich ist, auch wenn Nachtnebel die Musikszene "furchtbar tribalistisch" findet: "Ich kenne nicht wenige Leute, die auf das Wort ,Jazz' mit Brechreiz reagieren, sobald aber ein ,-core' drangehängt wird, strahlend ihre Lieblingsbands runterbeten."

Das Publikum, das "Where Has Jazz Gone?" auf eine Reise mitnehmen möchte, ist laut Nachtnebel "jünger und finanzschwächer" als jenes, das sich normalerweise zu Jazzkonzerten einfindet, dafür kompetent, im Netz Unkonventionelles aufzustöbern, und bereit, den zeitgenössischen Jazz vom Rock, Hip-Hop oder Industrial her wahrzunehmen. Crossoverzwang gibt es freilich auch nicht: Das Konzert von Max Nagl, Clemens Wenger und Herbert Pirker am 19. Juni ist schlicht unter der Rubrik "Jazz" angekündigt.

Fluc, Mo 20.00


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