Kindertheater Kritik

Von blassen Helden und starken Frauen

Lisa Kiss | Lexikon | aus FALTER 17/13 vom 24.04.2013

Eines der bekanntesten mittelalterlichen Heldenepen ist derzeit im Theater im Zentrum zu sehen: "Die Nibelungen". Die tragische Geschichte um Kriemhild und Siegfried mit Intrigen, Mord und Totschlag, Liebe und Leidenschaft, Verrat und Rache verpackt Regisseur Gerald Maria Bauer in eine spannende Theateraufführung für Kinder ab elf Jahren. Er stellt die beiden Frauen der deutschen Familiensage in den Mittelpunkt: Kriemhild, die blonde, zierliche, selbstbewusste Prinzessin von Burgund, und Brünnhilde von Island, die in schwarzes Leder gezwängte Walküre, grimmig und unerbittlich gegenüber Männern.

Zu Beginn der Vorstellung warten zwei ungeborene Kinder als Engel im Jenseits sehnsüchtig auf ihre Geburt und müssen den Schicksalsschlägen und Wendungen im Leben ihrer Mütter zusehen. Kriemhild will nämlich nur jemanden heiraten, den sie wirklich liebt. Und Brünnhilde nur einen echten Mann, einen, der sie besiegen kann. Wie es das Schicksal so will, taucht Drachentöter Siegfried in Worms auf. Gutaussehend, etwas einfältig und ziemlich mordlüstern.

In den Dialogen vermischen sich hochmittelalterliche Ausdrücke ("Ich will dich minnen") mit flapsigen Phrasen von heute. Diese sind zwar oft weit weg vom Original, aber Garant für so manchen Lacher. Die grell-spritzige Inszenierung spart auch nicht mit Action samt Schwertkämpfen und abgetrennten Körperteilen. Irena Flury als Kriemhild und vor allem Asara Livia Krierer als Brünnhilde geben zwei starke und schlagfertige Frauenfiguren. Die männlichen "Helden" hingegen wirken farblos und auch etwas dümmlich.

Und so, wie die beiden Engel ab und zu verkünden, dass sie sich jetzt gar nicht mehr auskennen, geht es wohl auch dem einen oder anderen Kind im Publikum.

TdJ - Theater im Zentrum, bis 22.6.


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