Einmal im Jahr wird Wien wieder zum Roten Wien: Hinaus zum 1. Mai! Aber nicht nur die Sozialdemokraten

C. Wurmdobler | 24.04.2013

Natürlich kann man am 1. Mai auch im Bett liegen bleiben, spät frühstücken, mittags zum Wirten gehen und dann einen schönen Spaziergang im Wienerwald machen. Ist ja Staatsfeiertag.

Andererseits heißt der 1. Mai aber auch "Tag der Arbeit", und das ist für zahlreiche Wienerinnen und Wiener Grund, auch am freien Tag zeitig aufzustehen, in Bequemschuhe zu schlüpfen, sich eine Nelke aus rotem Krepppapier ans Revers zu heften und Richtung Innenstadt zu wandern, wo die sozialdemokratischen Größen vom Kanzler abwärts ab 11 Uhr Reden schwingen werden.

Ganz früh aufstehen mussten einst die Genossen aus den Ganzaußenbezirken. Aber die werden mittlerweile mit Bussen in die Stadt gebracht. Erst seit ein paar Jahren verkehren die Öffis am 1. Mai ganz regulär. Früher hat das Schmücken von Straßenbahnen mit rotem Zierrat so viel Zeit eingenommen, dass der Betrieb erst mittags losging.

Sternmarsch zu Fuß zum Rathaus also, folgend einer peniblen Choreografie und begleitet von (meist: Trachten-)Kapellen, Arbeiterliedern und Humtata. Biegen die Sektionen dann geschlossen beim Burgtheater auf den Rathausplatz ein, stellt sich die Sozialdemokratie folgendermaßen dar: Tribünen, Plakate, rote Fahnen und Grußbotschaften: "Wir begrüßen die Jugend aus Simmering!"

Wer den Wiener 1. Mai zum ersten Mal erlebt, reibt sich vielleicht ungläubig die Augen. Ist das wirklich 2013? Klar, es geht - gemäß dem Veranstaltungsmotto heuer - darum, "gemeinsam für soziale Gerechtigkeit" zu marschieren, nämlich auf dem "Wiener Weg" ("sozial denken, gerecht handeln"). Also durchaus um Themen und Forderungen, für die man auf die Straße gehen kann.

Was auch für Nicht-Genossen an der Massenveranstaltung interessant ist: der Retro-Charme, die Theatralik, die Typen, die Ernsthaftigkeit, mit der man hier für "die Sache" unterwegs ist. Und, hey!, sind wir nicht alle ein bisschen Arbeiter von Wien?

Rathausplatz, Mi ab 9.00

Der Autor ist kein Parteimitglied, begleitet am 1. Mai aber mit der Musikarbeiterinnenkapelle die SPÖ-Sektion Ottakring ab 7.30 Uhr vom Schuhmeierplatz zum Rathausplatz


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