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Donaufischer

Falter & Meinung | aus FALTER 18/13 vom 02.05.2013

So war er, der Falter. Mit einer New Yorker Band am Cover, die sich bald danach auflöste, wenig Airplay, aber viel Kultstatus genoss. Und indier als die Indyaner war: Cop Shoot Cop.

Dabei hätte der Inhalt manch anderes hergegeben, selbst wenn man Robert Jungk wegen Ageism vom Cover verbannt hätte. Günter Kaindlstorfer interviewte den großen alten Mann der Anti-Atomkraft-Bewegung und erfuhr, dass Jungk auch eine literarische Ader hatte. Nicht nur war er mit dem Dichter Peter Weiss befreundet, sie fantasierten sich gemeinsam eine Welt zusammen, jedenfalls so lange, bis Weiss eine Psychoanalyse machte und sich "mehr auf die Realität hin orientierte“, wie Jungk erzählt. Aber vorher: "Wir haben zusammen einen Hund besessen, aber dieser Hund existierte gar nicht, das war ein eingebildeter Hund. Wir haben uns gegenseitig angerufen: Wie geht’s ihm denn, hast du ihn schon ausgeführt? Und dann kam das Interessante: Nach seiner Umkehr zur Politik wollte Peter von diesem Hund nichts mehr wissen, er hat ihn einfach verleugnet. Lass den Blödsinn, hat er gesagt. Das war kein Blödsinn, das waren Fantasiespiele, die uns beide sehr weit gebracht haben … In seinen letzten Lebensjahren haben wir immer wieder darüber diskutiert, wie man versuchen kann, die Schönheit als ein Menschenrecht wieder lebendig zu machen.“

Auch der Totalverweigerer Helmut "Heiland“ Hejtmanek wäre ein Cover wert gewesen. Er war gerade aus der Haft entlassen worden, die er wegen Militär- und Zivildienstverweigerung verbüßt hatte. Doris Knecht und Thomas Vašek sprachen mit ihm über seine Entschlossenheit, weiter keinen Antrag auf Befreiung zu stellen und auf seiner Freiheit zu beharren.

Günter Nenning attackierte den 68er Kameradschaftsverein. Roland Koberg interviewte der jungen Festwochen-Direktor Klaus Bachler zu dessen erstem Festival. Und im Stadtleben schrieb Andrea Kästle eine Reportage über Fischer am Donaukanal, die niemandem besonders auffiel. Kurz darauf gewann sie damit den renommierten Joseph-Roth-Preis. AT


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