Kommentar  Meinungsforschung

Schaffen wir die Umfragen ab, sie schaden der Demokratie

Falter & Meinung | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 18/13 vom 02.05.2013

Die Tirol-Wahl ist geschlagen; gewonnen hat die Liste Vorwärts Tirol, verloren haben die Meinungsforscher. In einer Karmasin-Umfrage vor der Wahl lag die ÖVP bei 34 Prozent, Gallup gab ihr 33. Geworden sind es schließlich 39,6. Man kann das "Schwankungsbreite“ nennen. Oder auch "voll daneben“.

Bei Wahlen kann man mittlerweile nur eines mit Sicherheit voraussagen: Die Umfrageinstitute werden wieder falschliegen. Bei der Kärntner Landtagswahl im März verfehlten ihre Prognosen das tatsächliche Ergebnis der Freiheitlichen im besten Fall um 6,1 Prozentpunkte, im schlechtesten Fall um 12,1. Das ist keine Schwankungsbreite mehr, sondern nur noch grob fahrlässig. Schließlich können Umfragen Wahlen entscheiden. Sagen sie etwa voraus, eine Partei schaffe es ohnehin nicht ins Parlament, geben taktische Wähler einer anderen Partei die Stimme. Gerade dadurch könnte die totgesagte Partei den Sprung in den Nationalrat verpassen. Oder es passiert, was in Tirol passiert ist: Die Volkspartei hatte vor "italienischen Verhältnissen“ gewarnt - ohne starke ÖVP sei das Land also unregierbar. Die Umfragen, die ein schwarzes Debakel vorhersagten, wirkten wie Öl für die schwarze Wahlkampfmaschinerie und trieben ängstliche Wähler zur Urne.

Umfragen sind Instrumente der Manipulation. Parteien machen Stimmung mit ihnen. Medien nützen sie, um politische Dauerwettkämpfe zu beschwören und damit die Auflage in die Höhe zu treiben. Schaukampf statt Inhalt - "Horse-Race-Journalismus“ nennt man das im Fachjargon. Dabei verstehen sich ausgerechnet die Medien als Wachhunde der Demokratie. Meinten die Journalisten es ernst damit, sollten sie aufhören, mit Umfragen an ihr herumzudoktern.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige