Der Club des toten Klassenkampfs

Politik | Essay: Nikolaus Kowall | aus FALTER 18/13 vom 02.05.2013

Wenn Wiens Sozialdemokraten am 1. Mai auf dem Rathausplatz aufmarschieren, verfolgt sie der Schatten ihrer großen Vergangenheit. Aus einer Machtdemonstration ist Folklore geworden, aus Volkstribunen verzagte Funktionäre. Wie konnte das passieren? Die SPÖ hat während ihres langen Marsches zur Macht ihre Kernkompetenz vergessen.Was nun?

Als ich am Anfang meines politischen Engagements erstmals mit linker Weltanschauung in Berührung kam, eröffnete sich mir ein Universum voller Verheißungen. In meiner damaligen Vorstellung würden die ausgebeuteten Massen, die Verdammten dieser Erde irgendwann die alte Welt mit den Mitteln des Klassenkampfes niederreißen.

Ist erst der Kapitalismus besiegt und die Klassenfrage gelöst, würden sich Nationen, Geschlechter und Ethnien wie Geschwister in den Armen liegen. Wieso sich viele Menschen im Laufe ihres Lebens von dieser Vision wieder abwenden, hat viele Gründe. Vielleicht, weil die revolutionäre Linke ihre großen Versprechen nie einlösen konnte.


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