Enthusiasmuskolumne  Diesmal: Das beste Filmfestival der Welt der Woche

Nah an der Realität: Crossing Europe in Linz

Feuilleton | Michael Omasta | aus FALTER 18/13 vom 02.05.2013

Draußen lockt die Sonne - wer mag da schon ins Kino gehen? Doch weit gefehlt, schon am Vormittag ist der Saal krachend voll mit jungen Leuten. Gerade der letzte Stufensitz war noch zu haben, ganz vorn, sehr links. Von hier aus schaut der auf der Leinwand aufziehende Winter in den schottischen Highlands gleich noch einmal so unwirtlich schön aus.

Sehr viele Filmemacher, deren Arbeiten Crossing Europe zeigt, kennt man vorher nicht einmal dem Namen nach. Das sagt nichts über die Qualität der einzelnen Filme aus - sehr wohl aber über das 2004 von Christine Dollhofer in Linz gegründete Festival, das sich unter ihrer Leitung während der letzten zehn Jahre auf entlegene, auch durchaus schwierige Werke spezialisiert hat.

"Europäisches Kino“ meint dabei weder "Europudding“ noch "Eventmovies“, sondern ein regionales Kino, bei dem keine großen Budgets im Spiel sein müssen, dafür aber gern Dialekte und andere lokale Besonderheiten. Das durchschnittliche Alter der hier vertretenen Filmschaffenden dürfte um die 30 liegen; im Übrigen stammt zumindest jede dritte Arbeit von einer Filmemacherin. All das trifft in exemplarischer Weise auch auf "A.C.A.B. - All Cats Are Brilliant“ zu, den besten Spielfilm, den ich vorige Woche dort gesehen habe. Constantina Voulgari, Jahrgang 1979, erzählt darin vom zunehmend prekären Alltag einer Kunststudentin in Athen heute. Langsam, aber sicher macht die Krise auch die Herzen klamm.

Gedreht wurde mit geborgter Kamera und befreundeten Schauspielern, anfangs ohne jede Förderung, dafür so nah an der Realität, dass in den Straßenszenen die Gesichter der Demonstrierenden unkenntlich gemacht werden mussten. Das freundliche Finale des Films, ein Grätzelfest, fand abends bei Crossing Europe dann seine Fortsetzung.


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