Dumm ist der Mensch, und öd ist die Provinz


Lektüre: Klaus Nüchtern
Feuilleton | aus FALTER 18/13 vom 02.05.2013

Einer der ungemütlichsten Romane der Weltliteratur wurde zum 28. Mal ins Deutsche übersetzt: "Madame Bovary“

Wer Flaubert gelesen und sich dabei seinen Glauben an das Gute im Menschen bewahrt hat, muss schon ein ziemlich hartnäckiger Philanthrop, ein veritabler Trottel oder beides sein. Unter allen großen Romanciers (nicht nur) des 19. Jahrhunderts ist er einer der ungemütlichsten. Die "systematische Härte des Verfassers“, die schon dem um einige Monate älteren Charles Baudelaire an "Madame Bovary“ aufgefallen war, ist ein Grund für die Modernität Flauberts.

Dass der 1856 in der Revue de Paris vorabgedruckte und ein Jahr später in Buchform erschienene Roman einen Prozess wegen "Verstoßes gegen die öffentliche und religiöse Moral sowie gegen die Sittlichkeit“ zur Folge hatte (aus dem die Beschuldigten straffrei hervorgingen), ist ein apartes literaturhistorisches Faktum, mit der Abgeklärtheit der Nachgeborenen aber kaum noch nachvollziehbar.

Über die skandalöse Ungerührtheit,

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