Ins Mark  Der Kommentar zur steirischen Woche

Ganz schlechtes Klima

Steiermark | aus FALTER 18/13 vom 02.05.2013

Die Diskussion um die Partymeile im Uni-Viertel kam letzte Woche wieder so richtig in die Gänge. Das Wochenende zuvor ging das Partyvolk nach zwei Uhr, der vorverlegten Sperrstunde, auf die Straße und randalierte ein bisserl. Gröberes ist nicht passiert. Letztes Wochenende ist es Berichten zufolge auffällig "ruhig“ geblieben.

Ob das so bleibt? Seit vielen Jahren streiten Lokalbesitzer, Anrainer und die Politik darüber, wie es sich im Univiertel gemeinsam leben lässt. Derzeit scheinbar schlecht: Die Anrainer können einem leid tun. Die Lokalchefs fühlen sich ungerecht behandelt. Manche wollen die vorverlegte Sperrstunde durch alle Instanzen bekämpfen. Rund 80 Prozent des Umsatzes würden zwischen ein und fünf Uhr gemacht, erzählte etwa Michael Schachner von den Three Monkeys dem Falter. Diese Woche muss er die ersten Mitarbeiter entlassen. Und das Partyvolk ist sowieso stinksauer.

Die Chose ist eine schöne Allegorie auf Graz: Es möchte Menschenrechtsstadt sein, aber will keine Bettler sehen. Es möchte Kulturhauptstadt sein, dafür aber nicht die nötigen Budgets lockermachen. Es brüstet sich als Studentenstadt, das standesgemäße Fest darf aber nicht gefeiert werden.

Selbst jene, die in den nächstbesten Hauseingang kotzen, weil sie einer Wodka-Aktion nicht widerstehen konnten, wissen, dass das den Anrainern nicht taugt. Bevor alle wegziehen - ein hoher Preis für Hedonismus und volle Kassen -, könnten ja Wirte und Stadt in Schallschutzfenster für die Bewohner investieren; und in Klimaanlagen, damit die Fenster geschlossen bleiben können. Sonst kriegt Graz noch sein Alkopops-Ghetto. Wäre aber nicht die erste Stadt, die mit so etwas leben muss.

Tiz Schaffer ist Redakteur im Steiermark-Falter


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