Tiere

Problemzone

Falters Zoo | aus FALTER 18/13 vom 02.05.2013

Am vierten Tag setzte Gott Fische und Vögel in die Welt, am fünften Tag gab es Landtiere, dann Menschen, und nach einem kleinen Power-Napping schuf Gott am achten Tag den Problembären.

Zuerst handelte es sich bei diesem tatsächlich um einen Braunbären, den man wegen grober Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wie z.B. Bienenstöcke ausrauben, abschießen musste. Als Helmut Brandstätter, damals Moderator der ORF-Fernsehsendung "Inlandsreport“, 1994 das Wort "Problembär“ zum "Wort des Jahres“ erklärte, dehnte man den Begriff auch auf andere Lebewesen aus. Per Definition: alle Tiere, die "irgendwie lästig“ sind.

Und da gibt es aus Sicht des Eigenheimbesitzers viele: Vögel, die zu feucht koten und zu früh lärmen. Füchse, die dem Hund aus dem Futternapf wegfressen, und Marder, die am Dachboden herumwetzen, und sicher auch noch andere unchristliche Dinge treiben. Also echt ekelhafte Sachen, die nach starker Hand und Schusswaffen verlangen. Doch die feinen Herrn Jäger verweigern es aus dubiosen Gründen (Sicherheit, Gesetze, blabla …), auf Privatgrundstücken Exekutionen vorzunehmen. Wo so etwas hinführt, ist klar: Zerstörung und Anarchie.

So geschehen in Salzburg, wo mitten aus der Stadt der Kapuzinerberg hervorragt. Dort, wo Alpenaurikel und Almrausch haust, der Kolkrabe brütet, tobt und wütet auch die gemeine Gämse. Sechs bis acht Tiere marodieren durch die Vorgärten der wenigen dort Ansässigen. Vermutlich dürften diese Gämsen aus einem gentechnischen Versuchsprogramm stammen, denn eine der Grundbesitzerinnen beklagte gegenüber den Medien: "Das sind Riesenapparate von Gämsen, die durch den Kanal gehen und von oben über die Stufen in unsere Gärten springen.“ Vielleicht sind an dieser unnatürlichen Größenentwicklung auch radioaktive Winde aus Temelin schuld. Jedenfalls hilft gegen diese Alpenziegen kein Händeklatschen: "Die gehen nicht weg. Da muss man mit Steinen werfen“, berichtet die Kapuzinerbergbewohnerin. Sehr gerne würde ich ihr bei der Entwicklung eines Faustkeils behilflich sein, damit sie ihre Tulpengruppen besser beschützen kann.

Oder ist es vielleicht doch ganz andersrum? Der deutsche Wildbiologe Sven Herzog beantwortete die Frage, was denn Problemtiere seien, ganz eindeutig: "Problemtiere? Das sind allenfalls wir“.

Peter Iwaniewicz dachte bislang, dass der ursprüngliche Lebensraum von Problembären Online-Singlebörsen sind

iwaniewicz@falter.at

zeichnung: püribauer.com


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