Film Neu im Kino

Einfach weiterleben: "Heute bin ich blond"

Lexikon | SABINA ZEITHAMMER | aus FALTER 18/13 vom 02.05.2013

Die attraktive, lebenslustige Sophie ist 21 Jahre alt, als sie an Krebs erkrankt. Der Tumor ist inoperabel, eine monatelange Chemotherapie beginnt. Um ihren kahlen Kopf zu verbergen, kauft Sophie sich Perücken. Diese werden zum Ausdruck verschiedener Seiten ihrer Persönlichkeit und helfen ihr dabei, ihren Lebensmut nicht zu verlieren.

Die Tragikomödie "Heute bin ich blond: Das Mädchen mit den neun Perücken" von Marc Rothemund beruht auf dem gleichnamigen autobiografischen Roman von Sophie van der Stap, die ihre Erkrankung besiegt hat. Dieser Sieg dominiert die Grundstimmung des Films: "Heute bin ich blond" umschifft tiefe Abgründe und lässt die Zuseher niemals mit Bildern oder Gefühlen allein. Die Offstimme der Hauptfigur sorgt für eine starke emotionale Führung durch die Geschichte, das hohe Erzähltempo und der schnelle Wechsel zwischen ernsten oder traurigen und harmlosen, auch witzigen Szenen lässt keine auf das Publikum übertragene Verzweiflung aufkommen. Wohl weint es mit, vielleicht gerade weil mit authentischen, quälenden Darstellungen des Krankseins gespart wird. Auffällig sind auch die Gestyltheit und stets aufrechte Fassung der Figuren.

Trotzdem gerät "Heute bin ich blond" kaum je platt, gelingt die Erzählung von Sophie van der Staps Schicksal als stimmige und gut gespielte Geschichte einer willensstarken, frechen jungen Frau zwischen Angst und Ablenkung, die durch ihre Krankheit einen anderen Blick auf das Leben entwickelt, einer fürsorglichen Familie, die mit dem Krebs umgehen muss, einer Freundschaft und Liebesbeziehung, die davon nicht unberührt bleiben. Der wohldosierte Sterblichkeitshauch, der Rothemunds Film durchzieht, hinterlässt die Zuseher in lebensbejahender Stimmung.

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