Schauspielhaus politisch. Zwei Versuche zum Thema Relevanz

Steiermark | KRITIKEN: HERMANN GÖTZ | aus FALTER 18/13 vom 02.05.2013

Mutig, aber misslungen: So lässt sich zusammenfassen, was das Schauspielhaus an letzten Höhepunkten auf Haupt-und Probebühne bietet. Wojtek Klemm inszeniert Jean-Paul Sartres Kriegs-und Liebesdrama "Die schmutzigen Hände" (Mi 19.30) im großen Haus, das bosnisch-kroatische Regie-Enfant-terrible Oliver Frlić fragt auf der Probebühne: "Where do you go to, My lovely ...?" (Mi 20.00).

Da ist Sartre, der in politisch unruhigen Zeiten viel zu sagen hätte. Klemm unterstreicht das durch eine meterhohe Betonwand à la Gaza, auf die er Szenen vom Schrecken des Krieges projiziert. Seine Regie verortet Sartres Drama im Niemandsland einer zum sturen Radikalismus erstarrten Revolution. Für die radikale Intimität von Sartres Erzählung findet er keine Bilder. Und so tanzen Verena Lercher und Claudius Körber zum Lied einer verrückten Liebe, ohne dass ein solches zu hören ist. Und nebenan scheitern die Versuche der Regie, dramatische Konventionen durch Brüche spielerisch zu stören, an der fehlenden Begeisterung des Ensembles.

Oliver Frlić baut in seiner Stückentwicklung "Where do you go to, My lovely ...?" auf Darsteller, die Schwerarbeit leisten. Er hält Europa einen Zerrspiegel vor, der die Bestialität seiner Historie zur Kenntlichkeit entstellt. Provoziert vom Friedensnobelpreis für die EU führt er in der Möglichkeitsform vor, wie ungemütlich es hier ist. Oder sein könnte. Vielleicht birgt eine provokante Deutung der Geschichte in Kroatien mehr explosives Potenzial, hierzulande bleibt Frlić die Substanz schuldig. Seine dramatischen Montagen sind formal überzeugend. Aber daneben vor allem plakativ.


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