"Wir gehen nach außen"

Das Museumsquartier läutet mit der SommerÖffnung die warme Jahreszeit ein.

INTERVIEW: NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 18/13 vom 02.05.2013

Bei seiner "SommerÖffnung" am 8. Mai lockt das Museumsquartier die gesamte Familie auf das Kulturgelände. Konzerte von Naked Lunch und Christian Fennesz, freier Eintritt in alle Museen, Kinderprogramm und Grillerei werden geboten. Der Falter sprach mit MQ-Chef Christian Strasser darüber, was er seit seinem Antritt 2011 bewegt hat.

Falter: Was hat ein halbnackter, mit Schlamm bedeckter Mann auf den neuen MQ-Werbeplakaten mit Kunst und Kultur zu tun?

Christian Strasser: Wie in der Kunst sieht jeder etwas anderes darin. Für die einen macht er gerade eine Performance, für die anderen spielt er. Unsere neue Kampagne will zeigen, dass die Besucher des Museumsquartiers nicht Konsumenten, sondern Akteure sind. Jeder, der das Areal betritt, wird Teil der Gesamtinszenierung.

Letztes Jahr hat der "Summer of Fashion" sehr gut funktioniert; heuer wurde auf ein solches Überthema verzichtet. Wer kuratiert eigentlich die Veranstaltungen im MQ-Areal?

Strasser: In Zukunft soll es alle zwei Jahre einen solchen gemeinsamen Schwerpunkt geben. Wir haben uns hier für eine Biennalfrequenz entschieden, um der Abstimmung zwischen den Institutionen und der Einbindung internationaler Künstler genug Zeit zu geben. Kuratiert werden die Aktivitäten am Areal entweder von den hier ansässigen Häusern oder von externen Kuratoren.

Welche Kunstform liegt Ihnen persönlich besonders am Herzen?

Strasser: Als Direktor bin ich gefordert, keine künstlerische Disziplin zu bevorzugen, sondern mich für alle gleich stark zu machen. Alles andere würde mir schwer fallen, denn die Tätigkeit hier ist eine ständige Herausforderung für meine persönlichen Vorlieben. Ich habe immer wieder festgestellt, dass die spannendsten Kunsterlebnisse aus Ecken und Nischen kommen können, denen man vorher kaum Beachtung geschenkt hat.

Jedes Jahr veröffentlicht das MQ Besucherzahlen. Wie sinnvoll ist das?

Strasser: Das ist eine Tradition aus der Kindheit des MQ. Die damaligen Wachstumsraten waren noch etwas Außergewöhnliches und sorgten für zusätzliche Aufmerksamkeit. Inzwischen hat man sich daran gewöhnt - und es ist klar, dass der Plafond des räumlich Möglichen hier früher oder später erreicht sein wird.

Erstmals gibt es bei der Eröffnung auch freien Eintritt in alle Museen des MQ. Haben Sie in den letzten zwei Jahren Maßnahmen gesetzt, um mehr Besucher in die Kulturinstitutionen zu bringen?

Strasser: Die SommerÖffnung oder der schon erwähnte "Sommer of Fashion" sind gute Beispiele dafür, welche Wege wir beschreiten, um das MQ als Ort der Künste zu präsentieren. Wir gehen nach außen, um die Menschen nach innen zu ziehen. Wir wollen, dass unsere Besucher die kulturelle Vielfalt dieses Areals erleben, sobald sie es betreten - und neugierig auf mehr werden.

Bei Ihrem Antritt haben Sie angekündigt, dass Sie ein architektonisches Zeichen nach außen setzen wollen. Wie sieht es damit aus?

Strasser: Bauliche Maßnahmen wollen gewissenhaft vorbereitet sein, hier befinden wir uns in der Phase der Machbarkeitsprüfung. Deshalb wäre es auch unseriös, über Pläne zu sprechen, die morgen schon wieder obsolet sein können.

Hat sich die Marke MQ unter Ihrer Ägide verändert? Wo kann man ihre Handschrift erkennen?

Strasser: Ein Erfolg ist für mich die gute Zusammenarbeit mit und zwischen den anderen Institutionen am Areal. Die "SommerÖffnung" ist ein wunderbares Beispiel für dieses Teamplay. Alle machen mit und profitieren davon. Gleichzeitig zeigt sich damit die Vielfältigkeit des Kulturareals MQ.

Eltern mit Kindern mussten diese im MQ-Hof immer davon abhalten, in das Wasserbecken zu klettern. Heuer wird es ein "Aquadrome" geben - wie sieht das aus? Wird das auch ein Ort zum Pritscheln?

Strasser: Vom Betreten des Wasserbeckens raten wir auch in Zukunft ab, da es in der Vergangenheit immer wieder zu Verletzungen gekommen ist. An den Wochenenden wird man allerdings im Haupthof Boote - auch selbst mitgebrachte - über das Wasser flitzen lassen können. Es gibt dafür einen Parcours und verschiedene Spiele, die sicher ein Spaß für große und kleine Kinder sind.

SommerÖffnung: Museumsquartier, Mi 15.00


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