Musiktheater Tipp

Die Hybris des Marketing als komische Oper

Lexikon | aus FALTER 18/13 vom 02.05.2013

Die Gruppe Netzzeit punktet bei den Wiener Festwochen mit einer Opern-Uraufführung. Franz Koglmann gelang es, aus dem 1990 aufgeführten "Spiel der Konzerne" von Alfred Zellinger gemeinsam mit diesem das Musiktheater "Join!" zu machen. Zellingers Libretto ist ein zynisches Kondensat aus Wirtschaftsjargon, Werbeslogans und Mediensprache geworden, dem die Musik Koglmanns Paroli bietet, die sich an einer Schnittstelle von Jazz, U-und E-Musik bewegt. Für JOIN! hat er diesen Angelpunkt um Rock'n'Roll, Pop, Filmmusik-und Jingle-Ästhetik, Latin (Bossa Nova), Noise, Chanson, Cool Jazz, aber auch Ars Nova-Rückgriffe erweitert. Es gibt auch ein Motiv, das an den Startsound eines Computers erinnert und sich in vielerlei Gestalt durch das Stück zieht.

"Es handelt sich um eine komische Oper, eine etwas wurmstichige Komödie natürlich. Wenn es musikalisch gemütlich zu werden droht, gibt es einen Stich, oder zumindest eine leichte Irritation." Zellinger dazu: "Nach meinen persönlichen 40 Jahren im Auge des Kapitalismus, bei Konzernen wie Unilever, Procter&Gamble und Philips, wird eine Sales Conference mit ihren Ritualen auf die Bühne gestellt. Das Management eines Computerkonzerns wird auf ein neues, sensationelles Produkt eingeschworen: ein ins Gehirn implantierbarer Mikrochip, der Kapazität und Wissen seiner Träger vervielfacht." Das Stück soll nicht eine Bestandsaufnahme der heutigen Finanzwirtschaft sein, sondern "eine in die nahe Zukunft fortgeführte Welt der heute tonangebenden Unternehmen von Microsoft bis Apple, von Google bis Facebook. Die Hybris von Managern wird thematisiert, the end of privacy, die NGOs der Ökoreligionen, Sponsoring, amerikanischer Puritanismus und der in die eigene Evolution eingreifende Mensch." HR

MQ, Halle E, Mi, Do 19.30 (bis 12.5.)


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