Kommentar  

Offenes Ringen um die Macht schlägt die Hinterzimmerpolitik

Neos & Grüne

Falter & Meinung | Wolfgang Zwander | aus FALTER 19/13 vom 08.05.2013

Über die neue Partei Neos wird gerne behauptet, sie sei ein Medienphänomen. Ihre starke Präsenz in der Öffentlichkeit, so lautet die Klage, stehe in einem krassen Missverhältnis zu ihrer tatsächlichen Bedeutung.

Dieser Vorwurf, tatsächlich nicht ganz von der Hand zu weisen, ist in seiner Essenz trotzdem nur wenig überzeugend. Der wichtigste Grund, warum die Neos in Rundfunk und Zeitungen ihren Platz finden, ist ein anderer: Als junge Bewegung ist es für sie viel einfacher, ihre Parteikultur anzupassen an einen Zeitgeist, der politikmüde ist und dem Handeln der Berufspolitiker zutiefst misstraut.

Nicht die Hinterzimmerparteien gewinnen heute die Herzen der Wähler, sondern die Mitmach-Bewegungen, die Parteien der offenen Flure.

Bei den Neos konnte ab Mitte April jeder Bürger, der zehn Euro zahlte, in einer öffentlichen Vorwahl online über die Bundesliste abstimmen; vergangene Woche folgte das Vorstandsvotum und danach das Mitgliedervotum. Jede Stimme wurde mit je einem Drittel gewichtet. Wahllisten, die auf solch offenen Weg erstellt werden, die also auf direktem Wettbewerb basieren, erwecken allein deshalb öffentliches Interesse, weil es über ihre Entstehung jede Menge zu berichten gibt.

Dafür spricht auch der Erfolg der Grünen (siehe Seite 15). Die Ökos, wie die Neos eine junge Partei, setzen bei ihrer Listenerstellung ebenfalls auf harte Konkurrenz. Zumindest bei den hinteren Fixplätzen kommt es stets zum offenen Ringen um die Macht.

Jedes Argument, jede Rede, jede Stimme zählt dabei. Da kommt es schon vor, dass ein scheinbarer No-Name einen etablierten Kader rausboxt. Das mag für den Einzelnen schmerzhaft sein, aber der Partei bringt es die viel ersehnte Aufmerksamkeit.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige