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Bücher, kurz besprochen

Politik | Stefan Hayden | aus FALTER 19/13 vom 08.05.2013

Assange, der Apokalyptiker

Es ist ein verworrener Satz des Philosophen Slavoj Žižek, der Julian Assanges Selbstverständnis wahrscheinlich am besten beschreibt: Er sei ein Terrorist, und zwar in dem Sinne, wie auch Gandhi ein Terrorist war.

Unzweifelhaft gefällt sich Wikileaks-Gründer Assange in der Pose des Radikalen, als "Amerikas Staatsfeind Nr. 1“ wird er auch auf dem Buchrücken angekündigt. Im vorliegenden Gesprächsband mit Assange und seinen Mitstreitern Jacob Appelbaum und dem Chaos-Computer-Club-Mitglied Andy Müller-Maguhn geht es um nichts weniger als die Bedrohung des "Internetreichs“. Ein heroischer Kampf der Onlineaktivisten gegen einen überwachungssüchtigen Apparat aus Behörden und Internet-Multis wird geschildert.

Der einzige Zufluchtsort liege in der Kryptografie, also der Verschlüsselung, so die Schlussfolgerung. An einer Stelle gesteht Assange ein, dass er es als notwendig sehe, den Leuten Angst einzujagen, um auf das Problem der Überwachung aufmerksam zu machen. Im Buch finden sich durchaus Ansätze wichtiger Diskussionen über autonome Räume der Kommunikation, freie Software und Privatheit; leider gehen die oft in Eitelkeiten und Alarmismus unter.

Assange, Appelbaum, Müller-Maguhn: Cypherpunks. Campus, 205 S., € 17,50


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