Enthusiasmuskolumne  

Walker Evans und die große Depression

Diesmal: die beste Fotoausstellung der Welt der Woche

Feuilleton | Michael Omasta | aus FALTER 19/13 vom 08.05.2013

Ein schwarzer Wagen biegt von der Landstraße zu einer Tankstelle ab, im Hintergrund stehen wie aufgefädelt Telefonmasten und darunter die schmucklosen Holzhütten der örtlichen Minenarbeiter. "Roadside Gas Station“ hat der Fotograf diese Aufnahme, entstanden 1935 in Lewisburg, Alabama, genannt.

Fotos wie dieses haben Walker Evans (1903-1975) berühmt gemacht. Noch bis Ende Mai wirbt es als Plakatmotiv für eine großzügig angelegte Ausstellung in der Landesgalerie in Linz, bei der man das vielfältige Werk dieses Künstlers, wie der Titel verspricht, "Decade by Decade“ kennenlernen kann. Nur ein Bruchteil der 230 ausgestellten Vintageprints zeigt Evans in seiner bekannten Rolle als poetischer Dokumentarist, der Mitte der 1930er im Auftrag der Farm Security Administration auf die prekären Lebensverhältnisse im Süden der Vereinigten Staaten fokussiert. Vielmehr ist es dieser Personale um sein Schaffen vor und nach der Zeit der großen Depression zu tun.

Grandios zum Beispiel die Subway Portraits, die Evans mit dem Kameraobjektiv quasi im Knopfloch von nichtsahnenden Fahrgästen erbeutete. Oder seine wie zufälligen Beobachtungen des kubanischen Alltags, lange vor der Revolution. Oder seine Reihe botanischer Studien, genauer: ein ganzer Zyklus verschiedener Orchideen. Und dazu noch vereinzelte Porträts einiger seiner Weggefährten - von Autor James Agee über Kollege Robert Frank bis zu seinen Ehefrauen Jane Ninas und Isabelle Böschenstein.

Zu guter Letzt kann man Walker Evans hier auch als Filmemacher entdecken. 1932 segelte er mit Bekannten auf deren Yacht nach Tahiti; die Eindrücke dieser Reise hielt er auf Film fest und montierte diese später zu "Travel Notes“ - zwölf Minuten sorgloses Seemannsleben und Südseezauber.


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