Die Künstlerin ist anwesend

Feuilleton | Ausführung: Matthias Dusini | aus FALTER 19/13 vom 08.05.2013

Ob im Theater oder in Museen, auf Festivals oder Biennalen: Die Performance ist die Königsdisziplin der zeitgenössischen Kuratorenkultur

Die Erde atmet. Auf dem Boden des abgedunkelten Ausstellungsraumes ist ein Haufen Humus aufgeschüttet, auf dem ein Löwenzahn blüht. Erst bei längerem Verweilen erkennt der Besucher, dass sich der Boden langsam auf und ab bewegt; ein Darsteller liegt darunter, lebendig begraben.

Das Stück "Paradisiacal Rites“ der US-amerikanischen Künstlergruppe Saint Genet, das erst kürzlich beim Donaufestival in Krems seine Uraufführung erlebte, wartet noch mit weiteren starken Bildern auf. Igelköpfige Aliens kriechen durch ein Ährenfeld, an der Decke rotieren ausgestopfte Fasane. Ein Mann lässt mit gesenktem Kopf den düsteren Elektroniksound auf sich wirken; neben ihm steht eine leere Rotweinflasche. Ist es ein betrunkener Festivalbesucher oder ein Mitglied der Gruppe?

Das Publikum weiß nicht, ob es sich in einer Kunstinstallation oder in einem Theaterstück


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