Buch der Stunde

Mit steinerner Miene und gerunzelter Stirn


Matthias Dusini
Feuilleton | aus FALTER 19/13 vom 08.05.2013

Erst das Gesicht verwandelt den Körper in ein Bild“, schreibt der Kunsthistoriker Hans Belting und benennt damit die Bedeutung der Mimik, die das Antlitz zu mehr macht als einem Körperteil.

Der Mensch hat nicht nur ein Gesicht, sondern macht auch eines. Er zeigt seine Gedanken und Gefühle, und er vermag sie zu verbergen. So entsteht ein Wechselspiel zwischen Gesicht und Maske, das erst im Zuge der Aufklärung eine moralische Bewertung erfuhr: Das Gesicht gilt als wahres Bild des Ich, die Maske als Fälschung.

Belting hat beim Schreiben seiner Geschichte des Gesichts die Grenzen zwischen den unterschiedlichen Fachgebieten bewusst ignoriert. So widmet sich eines der zentralen Kapitel zwar dem Porträt und damit einem typischen Thema der Kunstgeschichte; allerdings werden auch ethnografische und religionsgeschichtliche Ausflüge unternommen, um die "Maske der Neuzeit“ zu beschreiben. Und Belting arbeitet die Kritik an der Verstellung ein, die an die Idee des Subjekts geknüpft ist. "Man

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