Ohren auf  

Den Eichen soll man durchaus nicht weichen

Girls & Ladies of Jazz

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 19/13 vom 08.05.2013

Für ein Plattenlabel ist jemand wie Jane Monheit natürlich ein Glücksgriff: Die Amerikanerin (Jg. 1977) hat einen exotisch anmutenden Namen, sieht gut aus und kann auch noch singen. Auf "The Heart of the Matter“ (Universal) zieht sie alle Register ihres Könnens, wie man so schön sagt. Das Schmachtende, Schmelzende, ein bissl Traurige und gnadenlos gut Gelaunte - das alles ist so apart, dass man einen Ausschlag kriegen und angehörs von Monheits gefühlig durchglosten Coverversionen von Lennon/McCartney ("Golden Slumbers“, "The Long and Winding Road“) die Wiedereinführung der Prügelstrafe fordern möchte.

Ausschließlich mit Eigenkompositionen hingegen wartet "Smash“ (Concord), das jüngste Album von Patricia Barber auf. Es sind keine Songs im klassischen Sinne, sondern atmosphärisch hochaufgeladene Erzählungen und kontraststarke Klangpoeme, in der die immer um glasklare Artikulation bemühte Sängerin (Jg. 1955) das Pathos durchaus nicht scheut - etwa wenn im Titelsong nach den Zeilen "this is the sound of a heart breaking, this is the sound of the red on the road“ auf einmal ein erhaben rockistisches Gitarrensolo anhebt.

June Tabor (Jg. 1947) ist so etwas wie die grand lady des britischen Folk. Mit "Ashore“ hat sie vor zwei Jahren ein grandioses Konzeptalbum zum Thema Meer vorgelegt, und auch auf dem Cover von "Quercus“ (ECM) ist viel Wasser zu sehen, obwohl der Titel die Eiche meint. Als eine solche trotzt auch Tabors dunkler, sprödschöner Alt allen Winden und Lüftchen des Zeitgeistes. Begleitet von Huw Warren (p) und Iain Ballamy (saxes), die auch ausführlich Gelegenheit erhalten, miteinander im Duo zu spielen, singt sie sich durch Traditionals, Shakespeare- und Robert-Burns-Vertonungen et al. Songs, denen jede Koketterie und Eitelkeit abgeht und auf denen sich - man höre die Sax-Begleitung auf Mack Gordons Klassiker "This Is Always“ - Schlichtheit und Subtilität verbinden und am Ende das tränentreibende Sentiment von "All I Ask of You“ triumphiert. Recht so!


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